Wirtschaft

Der Staat beteiligt sich an Ausgaben für den Haushalt

Steuer-Serie (Teil 7): Finanzamt erstattet Ausgaben für Reinigungskräfte, die Wartung von Gebäudeanlagen oder die Betreuung von Hund und Katze

Die Nachricht dürfte Steuerzahler freuen: Sie haben seit 2016 mehr Möglichkeiten, das Finanzamt an Ausgaben für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerker zu beteiligen. Eine entsprechende Liste hat das Bundesfinanzministerium am 9. November 2016 veröffentlicht (https://tinyurl.com/h3tmqht). In dieser ist detailliert aufgelistet, welche Aufwendungen steuerlich geltend gemacht werden können. So akzeptieren die Finanzbeamten etwa Ausgaben für das Notrufsystem beim betreuten Wohnen, für Wartungsarbeiten an Blitzschutzanlagen oder die Betreuung von Hund, Katze oder Meerschweinchen in den eigenen vier Wänden. Aufwendungen für Handwerker und haushaltsnahe Dienstleistungen gehören in das Steuerhauptformular auf Seite 3. Die Ausgaben werden direkt von der Steuerschuld abgezogen.

Haushaltsnahe Dienstleistungen/Geringfügige Beschäftigung Welchen Betrag Steuerzahler mit dem Finanzamt abrechnen können, hängt davon ab, in welcher Form die Hilfe im Haushalt beschäftigt ist. Ist die Hilfe lediglich geringfügig beschäftigt, liegt der Arbeitslohn also höchstens bei 450 Euro im Monat, akzeptiert das Finanzamt bis zu 2550 Euro mit 20 Prozent Steuerermäßigung – maximal 510 Euro. Dazu nutzen Arbeitgeber das Haushaltscheckverfahren bei der Minijobzentrale. "Auftraggeber sollten prüfen, ob die Hilfe noch für andere Haushalte geringfügig tätig ist", rät Uwe Rauhöft, Geschäftsführer beim Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Denn wenn sie in mehreren Haushalten unterm Strich mehr als 450 Euro verdient, ist eine geringfügige Beschäftigung nicht mehr möglich.

Sozialversicherungspflichtig Deutlich größer fällt die Steuerersparnis aus, wenn die Hilfe sozialversicherungspflichtig beschäftigt oder selbstständig tätig ist. In beiden Fällen akzeptiert das Finanzamt Ausgaben von bis zu 20.000 Euro mit 20 Prozent – maximal 4000 Euro im Jahr.

Tätigkeiten Doch welche Tätigkeiten sind eigentlich begünstigt? "Zu den haushaltsnahen Dienstleistungen gehören alle Tätigkeiten, die gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts erledigt werden", sagt Peter Kauth vom Internetportal Steuerrat24.de. Dazu zählen beispielsweise die Pflege des Gartens, das Leeren des Briefkastens während des Urlaubs, das Reinigen der Fenster, die Pflege kranker und alter Menschen durch einen ambulanten Pflegedienst oder aber die Betreuung von Hund und Katze – sofern diese im Haushalt des Aufraggebers betreut werden. Auch an den Ausgaben für eine Umzugsspedition beteiligt sich das Finanzamt – wenn Steuerzahler etwa der Liebe wegen die Wohnung wechseln. Wer aus beruflichen Gründen umzieht, verrechnet die Ausgaben als Werbungskosten (Teil 2). Seit 2015 kann auch die Pauschale für das Notrufsystem beim betreuten Wohnen als haushaltsnahe Dienstleistung steuerlich geltend gemacht werden.

Gartenarbeiten Bei den Gartenarbeiten differenzieren die Finanzämter. So können Steuerzahler Heckenschneiden, Rasenmähen und andere übliche Gartenarbeiten als haushaltsnahe Dienstleistungen verrechnen. Umfangreiche Pflanzenarbeiten wie etwa Pflasterarbeiten oder das Anlegen eines Steingartens sind hingegen Handwerkerkosten (siehe Handwerker).

Pflege Wer Pflegekosten als außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung verrechnet, kann die zumutbare Belastung – also den Betrag, den der Steuerzahler zunächst aus eigener Tasche zahlen muss, bevor sich der erste Euro steuermindernd auswirkt – als haushaltsnahe Dienstleistung steuerlich geltend machen (Teil 2).

Mieter Für Mieter und Heimbewohner lohnt, die Nebenkostenabrechnung genauer zu studieren. Sofern die Wohneigentümergemeinschaft haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen in Auftrag gegeben hat, können Mieter die Ausgaben anteilig steuerlich geltend machen. "Den Betrag können Mieter in der Regel der Nebenkostenabrechnung entnehmen", sagt Steuerberater Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Sofern dies nicht möglich ist, können Steuerzahler die Aufwendungen auch anhand einer Bescheinigung des Verwalters, Heimträgers oder Vermieters nachweisen. Einen entsprechenden Vordruck finden Sie im Internet unter https://tinyurl.com/h3tmqht.

Bedingungen Das Finanzamt akzeptiert die Ausgaben jedoch nur, wenn der Steuerzahler eine Rechnung vorweisen kann und der Betrag überwiesen wird. Begünstigt sind auch nur die Fahrt- und Arbeitskosten sowie Gebrauchsmaterialien wie Folien. "Daher sollten Steuerzahler darauf achten, dass auf den Rechnungen Arbeits- und Materialkosten getrennt ausgewiesen werden", sagt BVL-Geschäftsführer Rauhöft. Begünstigt sind auch nur Tätigkeiten, die im Haushalt des Auftraggebers durchgeführt werden. Wer also seinen Hund in seiner Wohnung betreuen lässt, kann das Finanzamt an den Kosten beteiligen. Wird der Hund hingegen in einer Pension abgegeben, bleibt der Hundebesitzer auf den Kosten alleine sitzen.

Handwerker Wer Handwerker beschäftigt, kann das Finanzamt an bis zu 6000 Euro mit 20 Prozent – maximal 1200 Euro – beteiligen. Begünstigt sind jedoch lediglich Erhaltungs-, Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Also etwa der Austausch von Fenstern oder Türen, das Tapezieren von Innenwänden oder aber der Austausch einer Einbauküche.

"Neubaumaßnahmen sind hingegen nicht begünstigt", sagt Steuerberater Wawro. Daher empfiehlt es sich für Bauherren, so früh wie möglich das neue Eigenheim zu beziehen. Denn dann können Steuerzahler das Finanzamt an den dann noch anfallenden Handwerkerkosten beteiligen. Das ist selbst dann möglich, wenn neue Nutzfläche geschaffen wird – etwa durch den Ausbau eines Dachgeschosses oder das Errichten eines Wintergartens, sofern keine weitere neue Wohnung geschaffen wird.

Nach etlichen gerichtlichen Auseinandersetzungen haben die Steuerzahler recht bekommen. Sie können das zuständige Finanzamt an den Aufwendungen für den Schornsteinfeger beteiligen. Auch die Ausgaben für das Räumen des Gehwegs von Schnee im Winter oder Dreck im Sommer ist inzwischen begünstigt.

Haushaltsgeräte Sind Haushaltsgeräte wie Geschirrspüler oder Herde defekt, können Steuerzahler die Reparaturkosten steuerlich geltend machen. Gleiches gilt, wenn etwa Fernseher oder Computer ihren Geist aufgeben. Das Finanzamt nickt die Ausgaben jedoch nur dann ab, wenn die Reparaturarbeiten im Haushalt des Auftraggebers ausgeführt werden. Wer das Gerät zur Reparatur in ein Geschäft bringt, muss die Kosten komplett alleine zahlen.

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