Steuern

Die wichtigsten Antworten zur Steuererklärung 2016

Bei der Telefonaktion der Berliner Morgenpost gaben die Experten Lesern Tipps, wie sie das Finanzamt an ihren Ausgaben beteiligen.

Die Steuerexperten: Tanja Hirsch, Andy Strey, Wolfgang Wawro, Martina Bruse, Uwe Rauhöft, Jörg Medczinski, Sebastian Merla (von links)

Die Steuerexperten: Tanja Hirsch, Andy Strey, Wolfgang Wawro, Martina Bruse, Uwe Rauhöft, Jörg Medczinski, Sebastian Merla (von links)

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Das Steuerrecht ist komplex und das Ausfüllen der Bögen nicht ganz einfach. Gut, wenn man offene Fragen zur Steuererklärung 2016 mit der Hilfe von Experten klären kann. Diese Möglichkeit haben am Sonnabend zahlreiche Leser der Berliner Morgenpost genutzt. Sie haben ihre Fragen den Experten des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine (BVL) und des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg gestellt. Dabei gab es besonders viele Fragen zur Besteuerung von Alterseinkünften. Im Folgenden protokollieren wir einige Fragen der Berliner-Morgenpost-Leser zur Steuererklärung 2016.

Die gesamte Steuer-Serie finden Sie hier

Ruheständler

Ich bin alleinstehend und zum 1. Januar 2016 in Rente gegangen. Ich erhalte monatlich eine Rente von rund 1900 Euro. Muss ich eine Steuererklärung machen?

Da Sie im vergangenen Jahr dem Arbeitsleben den Rücken gekehrt haben, müssen Sie 72 Prozent Ihrer gesetzlichen Rente steuerlich veranschlagen. In Ihrem Fall wären das ca. 16.400 Euro im Jahr. Davon können Sie die Werbungskostenpauschale von 102 Euro abziehen. Da Ihr Gesamtbetrag der Einkünfte in Höhe von rund 16.300 Euro den Grundfreibetrag von 8652 Euro übersteigt, müssen Sie bei Ihrem zuständigen Finanzamt eine Steuererklärung einreichen. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Sie auch verpflichtet sind, Steuern zu zahlen. Schließlich können Sie das Finanzamt an einer Reihe von Ausgaben etwa für Medikamente, Kuren oder Pflege beteiligen. Nur wenn nach Abzug der Ausgaben Ihr zu versteuerndes Einkommen den Grundfreibetrag von 8652 Euro übersteigt, müssen Sie Steuern zahlen.

Meine Frau ist im vergangenen Jahr gestorben. Bislang musste ich keine Steuererklärung machen. Ändert sich das jetzt?

2016 und im Jahr nach dem Tod Ihrer Ehefrau, also 2017, gilt nach wie vor der für Sie günstige Splittingtarif für Ehepaare. Sie sollten allerdings ab 2018 prüfen, ob der Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte den Grundfreibetrag übersteigt. Dieser liegt für Sie 2016 bei 17.304 Euro, 2017 bei 17.640 Euro (Splittingtarif) und im Jahr 2018 dann bei 9000 Euro (Grundtarif ).

Mein Mann und ich sind seit 2007 im Ruhestand und mussten bislang nie eine Steuererklärung machen. Hat sich das mit der Rentenerhöhung im vergangenen Jahr geändert?

Nicht unbedingt. Sie sollten jedoch jedes Jahr überprüfen, ob der Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte den Grundfreibetrag nach wie vor nicht überschreitet. Für das Jahr 2016 liegt dieser für Verheiratete bei 17.304 Euro. Zum Gesamtbetrag der Einkünfte zählen neben der gesetzlichen Rente auch andere Rentenbezüge (und weitere Einkünfte beispielsweise aus Vermietung). Sollte dieser Betrag den Grundfreibetrag unterschreiten, können Sie sich entspannt zurücklehnen. Liegen Ihre Einkünfte hingegen über 17.304 Euro, müssen Sie beim Finanzamt eine Steuererklärung abgeben. Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass Sie auch Steuern zahlen müssen. Schließlich können Sie das Finanzamt auch an einer Reihe von Ausgaben beteiligen.

Ich bin 65 Jahre alt und zum 1. Juli in den Ruhestand gegangen. Ich habe weiterhin als angestellter Lehrer gearbeitet. Was bedeutet das für mich steuerlich?

Sie erhalten seit dem 1. Juli eine Rente. Hinzu kommen die Einkünfte als angestellter Lehrer. Davon hat der Arbeitgeber automatisch Lohnsteuer einbehalten. Das Finanzamt berücksichtigt bei Ihrer Steuererklärung automatisch einen Altersentlastungsbetrag, da Sie neben Ihrer Rente Arbeitslohn beziehen. Wenn Sie 2015 Ihr 64. Lebensjahr vollendet haben, erhalten Sie ab 2016 zeitlebens einen Freibetrag von 22,4 Prozent, maximal 1064 Euro. Sie müssen sich jedoch auf Steuernachzahlungen einstellen, da Ihre Rente im vergangenen Jahr noch nicht versteuert wurde.

Ich habe seit 2015 eine Rente von 1300 Euro. Darin enthalten sind 300 Euro Kriegsversehrtenrente. Meine Frau hat seit 2016 eine Rente von 460 Euro und erhält nun Pflegegeld in Höhe von 300 Euro im Monat. Müssen wir Steuern zahlen?

Bei Ihren Einkünften spielen die Kriegsversehrtenrente sowie das Pflegegeld keine Rolle. Denn beide sind komplett steuerfrei. Auf Ihre Rente erhalten Sie einen Freibetrag in Höhe von 50 Prozent der Jahresrente aus 2016. Ihre Frau erhält nur noch einen Freibetrag von 28 Prozent, 72 Prozent muss sie versteuern. Dennoch werden Sie bei diesen Rentenbeträgen keine Steuern zahlen müssen.

Ich bin im Ruhestand, meine Frau arbeitet noch. Wir hatten bislang immer die Steuerklassen-Kombination IV/IV. Sollen wir unsere Steuerklassen nun wechseln?

Das wäre in Ihrem Fall sinnvoll. Den Steuerklassenwechsel müssen Sie beim Finanzamt beantragen. Wählt der noch berufstätige Partner die Steuerklasse III, fällt sein Nettogehalt entsprechend hoch aus. Dies wiederum wirkt sich positiv auf Lohnersatzleistungen aus. Sollte Ihre Frau beispielsweise vor Rentenbeginn arbeitslos werden oder länger krank sein und Krankengeld erhalten, fallen die Bezüge deutlich höher aus als bei der Steuerklasse IV. Die Gesamtsteuerbelastung ändert sich durch die Wahl der Steuerklasse nicht. Behält Ihre Frau die Steuerklasse IV, hat sie zunächst weniger Nettolohn und Sie erhalten wahrscheinlich Steuern zurück. Bei der Steuerklasse III fällt der Nettolohn höher aus, Sie müssen allerdings mit einer Steuernachzahlung rechnen.

Kinder

Meine Tochter hat einen Bachelor in Wirtschaftsinformatik gemacht, danach ein halbes Jahr gearbeitet und macht nun ihren Master in diesem Fach. Kann sie die Ausgaben für ihr Studium geltend machen?

Die Ausgaben für den Master sind vorweggenommene Werbungskosten. Ein Verlust wird das Finanzamt bei Ihrer Tochter allerdings nur dann feststellen, wenn die Ausgaben höher sind als der Lohn, den die Tochter im halben Jahr zwischen den beiden Studienabschnitten erzielt hat. Die Ausgaben für den Bachelor zählen nicht als vorweggenommene Werbungskosten, da es sich um ein Erststudium handelt und die Tochter davor keine Ausbildung absolviert hat. Ob die Aufwendungen für das Erststudium möglicherweise doch als Werbungskosten verrechnet werden können, muss erst noch das Bundesverfassungsgericht klären. Daher sollte Ihre Tochter die Ausgaben abrechnen und unter Verweis auf die Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht Einspruch gegen ihren Steuerbescheid einlegen. Dies kann sie auch noch für die vorhergehenden Jahre des Bachelorstudiums machen, maximal 7 Jahre rückwirkend.

Wir unterstützen unseren 28-jährigen Sohn derzeit finanziell. Können wir denn diese Ausgaben auch steuerlich geltend machen?

Da Sie für Ihren Sohn kein Kindergeld mehr erhalten, können Sie das Finanzamt an Unterhaltsleistungen beteiligen. Diese rechnen Sie als außergewöhnliche Belastungen bis zur Höhe von 8652 Euro ab. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung kommen zu diesem Betrag noch hinzu. Bezüge und Einkünfte Ihres Sohnes, die 624 Euro im Jahr übersteigen, werden allerdings auf den möglichen absetzbaren Betrag angerechnet. Sollte Ihr Sohn etwa über Bezüge von 724 Euro verfügen, können Sie lediglich 8552 Euro als Unterhaltsleistungen steuerlich geltend machen. Und diese akzeptiert das Finanzamt auch nur dann, wenn das Vermögen des Sohnes 15.500 Euro nicht übersteigt.

Arbeitnehmer

Ich habe einen Minijob, der nicht pauschal versteuert wurde. Muss ich diesen in der Steuererklärung angeben?

In der Steuererklärung muss der Minijob angegeben werden, da der Arbeitgeber diesen nicht pauschal versteuert hat. Die Beträge können Sie Ihren Gehaltsabrechnungen entnehmen, falls Sie keine Lohnsteuerbescheinigung mehr haben.

Ich habe 2013 einen Verlustvortrag beantragt und 2014 keine Steuererklärung gemacht. Doch im Steuerbescheid von 2015 taucht dieser nicht mehr auf. Woran liegt das?

Wenn Sie einen Verlustvortrag haben festschreiben lassen, müssen Sie durchgängig eine Steuererklärung abgeben, also auch für das Jahr 2014. Dann wird der Verlust mit möglichen Einkünften verrechnet oder weiter vorgetragen. Wenn Sie noch die Steuererklärung für das Jahr 2014 abgeben, wird Ihr Verlust steuerlich verrechnet. Falls das nicht aufgeht, achten Sie auf einen Verlustfeststellungsbescheid.

Ich bin seit vergangenem Jahr im Ruhestand und weiterhin nebenbei als Dozent an Hochschulen tätig. Muss ich mein Dozentengehalt versteuern?

Sie können als nebenberuflicher Dozent einen Übungsleiterfreibetrag von 2400 Euro erhalten. Bis zu dieser Höhe bleiben Ihre Einnahmen als Dozent steuerfrei. Voraussetzung ist, dass es sich um einen öffentlich-rechtlichen oder einen steuerbegünstigten privaten Bildungsträger handelt. In der Steuererklärung müssen Sie aber diese steuerfreien Einnahmen mit angeben und den Freibetrag dann eintragen (Anlage S, 2. Seite).

Kapitalerträge

Ich habe lediglich geringe Einkünfte, erhalte aktuell einen Aufstockungsbetrag zu meiner Rente. Nun habe ich gelesen, dass es sich für Leute mit Einkünften unter 15.500 Euro, die auf ihre Kapitalerträge Abgeltungsteuer gezahlt haben, rechnet, in der Steuererklärung eine Günstigerprüfung zu beantragen. Ist das korrekt?

Es empfiehlt sich, eine Günstigerprüfung zu beantragen, wenn Ihr Einkommen unter 15.500 Euro liegt. Dann ist es günstiger, Kapitalerträge mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Gerade für Rentner und Pensionäre lohnt sich die Günstigerprüfung jedoch auch bei höheren Steuersätzen. Der Grund liegt darin, dass sehr häufig ein Altersentlastungsbetrag auf die Kapitaleinkünfte zum Tragen kommt und damit einen Teil dieser Einkünfte steuerfrei stellt.

Immobilien

Ich habe 2013 von meinem Ehemann ein Haus geerbt. Dieses hatte er 1996 von seiner Mutter geschenkt bekommen. Das Haus habe ich im vergangenen Jahr verkauft. Nun habe ich gelesen, dass ich den Gewinn versteuern muss, da ich die Immobilie innerhalb der Spekulationsfrist von zehn Jahren verkauft habe. Ist das korrekt?

Nein, in Ihrem Fall trifft das nicht zu. Entscheidend für die Steuer ist der letzte entgeltliche Erwerb der Immobilie. Und dieser liegt in Ihrem Fall länger als zehn Jahre zurück. Daher müssen Sie nichts versteuern. Nur wenn Sie die Immobilie innerhalb von zehn Jahren nach deren Kauf veräußern, müssen Sie den Gewinn entsprechend versteuern.

Wir haben 2009 ein Haus gekauft, das wir bisher vermietet hatten. Nun haben wir die Immobilie verkauft. Müssen wir Steuern zahlen?

Wenn Sie einen Gewinn erzielt haben, müssen Sie Steuern zahlen, da Sie die Immobilie innerhalb der Spekulationsfrist von zehn Jahren verkauft haben. Der Gewinn errechnet sich aus dem Veräußerungserlös abzüglich der Anschaffungskosten. Die in der Vergangenheit geltend gemachten Abschreibungen erhöhen den Gewinn.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.

Meistgelesene