Geschichte

Ausflug in die Jugendjahre der Straßenbahn

Historische Straßenbahnen waren am Sonntag in der Stadt unterwegs. Viele Berliner wollten mitfahren

Ralf Wallisch als Schaffner in einer der historischen Straßenbahnen

Ralf Wallisch als Schaffner in einer der historischen Straßenbahnen

Foto: Massimo Rodari

Schon vor der Abfahrt am Alexanderplatz wunderten sich viele Passanten über das eigentümliche Rattern, das von der Tramstation an der Dircksen- straße ausging. Dort, wo sonst reger Tram-Verkehr der Linie M2 herrscht, schien die Zeit plötzlich stillzustehen. Diejenigen, die sonst zum Bahnhof, in die naheliegenden Geschäfte oder zum nächsten Termin eilen, mussten dann doch stehenbleiben, gucken und das Smartphone zücken.

Denn es war am Sonntag war wieder soweit: Der Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V. lud kurz vor der Winterpause zu einer besonderen Stadtrundfahrt. Zur achten und letzten Themenfahrt der Saison konnten die Fahrgäste jeweils am Morgen und am Nachmittag eine von drei historischen Straßenbahnen besteigen, die bis nach Französisch Buchholz fuhren.

Besonders auffällig war der orangefarbene Tatra-Triebwagen aus dem Baujahr 1986, aber auch der Mitteleinstiegswagen aus dem Baujahr 1934 und der Reko-Einrichtungszug aus dem Baujahr 1961 zogen wieder viele Blicke auf sich. Nicht nur die Züge, auch das Personal schien wie aus der Zeit gefallen. Fahrgäste und umstehende Zuschauer konnten sich mit ihren Fragen direkt an die Schaffner wenden. So mancher fühlte sich dann direkt in seine Kindheit zurückversetzt. Wie Manuela aus Prenzlauer Berg, die nur zur Straßenbahnhaltestelle gekommen war, um die Züge zu sehen. "Ich erinnere mich noch daran, wie ich als Kind in den 60er-Jahren zehn Pfennige in die Zahlbox steckte, um meinen Fahrschein zu bekommen", sagte die 56-Jährige, während sie die Digitalkamera zückte.

Als das charakteristische Klingeln zwei Mal ertönte, ging es nach einem kräftigen Ruckeln mit den voll besetzten Zügen auf die Strecke, die die Fahrgäste in zweieinhalb Stunden von Prenzlauer Berg über Pankow-Heinersdorf bis nach Französisch Buchholz und wieder zurück zum Alexanderplatz führte. Für eine kurzweilige Fahrt sorgten Schaffner wie Karsten Müller, die zu Beginn der Fahrt das Fahrgeld einsammelten und von der Geschichte der Züge und der Strecke erzählten.

Oldtimer-Straßenbahnen fahren im Korso durch die Stadt

Gleich drei historische Straßenbahnen der BVG waren heute in Berlin unterwegs. Im Korso ging es nach Französisch Buchholz und zurück zum Alex.
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Mit diesen Rundfahrten möchte die Straßenbahn-Gruppe im Denkmalpflege-Verein, in dem man sich auch um Busse und O-Busse kümmert, Verkehrsgeschichte begreifbar machen. Angefangen hatte es im September 1967 im Straßenbahnhof Köpenick. Zum Köpenicker Sommer fuhr am 21. Juni 1969 schon der erste restaurierte Wagen. Die Sammlung zählt heute etwa 50 alte Straßenbahnen.

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