Neuer Mietspiegel

Berliner Mieten steigen immer schneller

Der neue Berliner Mietspiegel weist Preissteigerungen von 9,4 Prozent seit 2015 aus. Verbände der Wohnungswirtschaft zweifeln das an.

Blick über Berlin

Blick über Berlin

Foto: pa

Die Mieten in Berlin sind in den vergangenen zwei Jahren deutlich schneller gestiegen als in den Jahren zuvor. Das geht aus dem Berliner Mietspiegel 2017 hervor, den Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Freitag vorgestellt hat. Seit 2015 sind die Mieten um 9,4 Prozent und damit im Schnitt jährlich um 4,6 Prozent gestiegen. Der vorangegangene Mietspiegel für 2013 bis 2015 hatte noch ein Plus von 2,7 Prozent ausgewiesen.

Im Durchschnitt zahlen Mieter nun 55 Cent mehr pro Quadratmeter und Monat nettokalt, nämlich 6,39 Euro (Mietspiegel 2015: 5,84 Euro). Nicht berücksichtigt sind die Mieten von Sozialwohnungen, in Neubauten oder umfassend sanierten Altbauten bei Erstvermietung und solche mit Altmietverträgen, die seit vier oder mehr Jahren nicht verändert wurden. Damit hat der Mietspiegel aber immer noch Gültigkeit für rund 1,4 Millionen der insgesamt 1,9 Millionen Wohnungen in Berlin.

Grafik vergrößern

Alle zwei Jahre Überblick über ortsübliche Vergleichsmieten

Der Mietspiegel liefert alle zwei Jahre eine Übersicht über ortsübliche Vergleichsmieten, er soll bei Mietern und Vermietern "für Transparenz Klarheit und Rechtssicherheit" sorgen, wie die Senatorin sagte. Doch genau daran äußerten die Vermieterverbände Haus und Grund sowie der Bundesverband Freier Wohnungsunternehmen (BfW) am Freitag Zweifel. Sie verweigerten dem neuen Berliner Mietspiegel die Unterschrift. Hintergrund der Auseinandersetzung ist die neue Systematik des neuen Tabellenwerkes. Erstmals führt dieser keine "Sondermerkmale" mehr auf. Diese ermöglichten es den Vermietern bislang, besonders hochwertig ausgestattete Wohnungen über die in den Tabellen ausgewiesenen Vergleichsmiete hinaus zu erhöhen.

Besonders Altbauten in Berlin werden teurer

Die Berliner Wohnungspolitik ist missglückt

Damit soll nun Schluss sein. Zur Kompensation dieser Erhöhungsmöglichkeit wurde jedoch die Mietpreisspanne erhöht. Nunmehr dürfen in jedem Mietspiegelfeld nach der Extremwertbereinigung die mittleren 75 Prozent aller erhobenen Mietwertdaten als allgemeine übliche Vergleichsmieten eingehen. Vorher umfasste die Spanne lediglich 66 Prozent. Dadurch ergeben sich nun deutlich höhere zulässige Oberwerte. Dies jedoch genügt den Vermieterverbänden nicht. Sie rufen nun ihre Mitglieder dazu auf, im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem Mieter um die angemessene Miethöhe nicht den Mietspiegel heranzuziehen. Der BfW Berlin-Brandenburg sagte der Berliner Morgenpost, man werde den rund 240 mittelständischen Unternehmen, die der Verband in Berlin vertritt, nunmehr empfehlen, auf Gutachten und Vergleichsmieten von Verbandsmitgliedern zurückzugreifen.

Mieterverein: Rot-Rot-Grün soll sich für stärkere Begrenzung der Mieterhöhungen einsetzen

Der Berliner Mieterverein dagegen erkennt den Mietspiegel an. Trotz der Angriffe durch die Vermieter sei er ein geeignetes Kontrollinstrument für die Mieter. Nur selten seien Mieterhöhungen auch begründet. Deshalb solle sich die rot-rot-grüne Berliner Landesregierung im Bundesrat für eine stärkere Begrenzung und bessere Begründung von Mieterhöhungen einsetzen. Eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt für Mieter mit geringem und mittlerem Einkommen sei nicht absehbar.

Besondere Brisanz kommt dem neuen Mietspiegel auch deshalb zu, weil er nicht mehr nur bei der Ermittlung der angemessenen Miethöhe von Bestandswohnungen Anwendung findet. Er dient auch als Grundlage für die Durchsetzung der sogenannten Mietpreisbremse, die seit dem 1. Juni 2015 Neuvermietungen auf zehn Prozent oberhalb der im Mietspiegel ausgewiesenen ortsüblichen Verbleichsmiete begrenzt.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.

Meistgelesene