Konzert in Berlin

Sängerin Pink begeistert die ausverkaufte Waldbühne

Die US-Sängerin liefert bei ihrem ersten von zwei Berlin-Konzerten breitflächigen Stadionrock und artistische Varieténummern.

Die Sache mit dem Schweben hoch über den Köpfen der Zuschauer Richtung Bühne hat sie kurzfristig geknickt. Vielleicht waren die Führungsdrähte in luftiger Höhe wetterbedingt einfach zu glitschig. Man weiß es nicht. Jedenfalls bleibt die Konstruktion ungenutzt.

Und so marschiert US-Sängerin Pink am Freitagabend beim ersten von zwei Berlin-Konzerten unter Jubel die steile Treppe der Waldbühne mitten durchs Publikum hinunter und entert den breiten Laufsteg, um mit "Get The Party Started" genau das zu machen, was ihr Hitsong von 2001 verspricht: Sie lädt, umringt von sechs Tänzerinnen und Tänzern, zu einer donnernden, rocklastigen Party.

Zuletzt war Pink 2010 mit ihrer aufwendigen "Summer Carnival"-Tour in der Waldbühne zu erleben. 2013 kehrte sie noch einmal in die damalige O2 World zurück und begeisterte auch da mit irrwitzigem akrobatischen Augenfutter. Ganz so aufwendig ist die neue Show nicht. Sie wirkt ein wenig wie ein Interimsprogramm mit einer, sagen wir mal, etwas spontanen Dramaturgie. Es ist ein Best-Of-Programm durch die steile Karriere der selbstbewussten Alicia Beth Moore aus Pennsylvania, die als Pink die Popwelt im Sturm genommen hat.

Im Oktober erscheint das neue Album "Beautiful Trauma"

Das letzte Album erschien vor fünf Jahren. In der Zwischenzeit war es etwas ruhiger um die Power-Entertainerin. Sie hatte sich mehr auf ihre Familie besonnen, wurde zum zweiten Mal Mutter. Doch im Oktober soll endlich das neue Album "Beautiful Trauma" erscheinen. Ihre Fans blieben treu an ihrer Seite. Im Voraus waren beide Waldbühnen-Konzerte, die einzigen Deutschlandshows von Pink in diesem Jahr, ausverkauft.

Es pumpt und poltert. Treibende Grooves keuchen aus den Keyboards. Satte Gitarren-Riffs schneiden durch die klamme Waldbühnenluft. Es ist feucht, aber glücklicherweise gibt es keinen Regen an diesem Abend. Und wen schert schon das Wetter bei solch einer treibenden Rock-Revue. Pink hat mit Anleihen bei Pop, Dancefloor und R'n'B einen breitflächigen Stadionrock kreiert, in dem auch herzschmerzende Balladen ihren Platz finden.

Und sie singt sich durch all ihre Hits, von "Trouble" über "Try" bis zu "Sober". Das Bühnenbild ist von schlichter Größe. Der Schlagzeuger sitzt in einer Art Schlauchboot, umringt von gigantischen Stecknadeln, die LED-Bildwand im Hintergrund wird flankiert von zwei riesigen Lumpenpuppen. Es gibt Feuerwerk, Nebelkanonen und Flammenwerfer.

Sogar Nenas "99 Luftballons" wird gespielt

Ein breiter Laufsteg führt weit ins Publikum. An dessen Ende nimmt sie zur Mitte der Show Platz, um nur begleitet von ihrem Gitarristen Justin Derrico den Kris Kristofferson-Song "Me and Bobby McGee" in der Version, die Janis Joplin populär gemacht hat, zu singen. Überhaupt – Coverversionen gehörten schon immer zu den Shows der 37-jährigen. Keyboarderin Adriana Balic überrascht mit einer teils deutsch gesungenen Einlage von Nenas "99 Luftballons". Es gebe einfach zu viele gute Lieder, meint Pink, und manche davon müsse sie einfach singen. Wie "River" der britischen Sängerin Bishop Briggs.

Oder das Anne Bredon-Lied "Babe, I'm Gonna Leave You", das durch Joan Baez bekannt wurde. Pink bedient sich aber lieber der Fassung, die Led Zeppelin einst eingespielt haben. Irgendwann taucht der Londoner Singer/Songwriter James Gillespie, der das Vorprogramm bestrtitten hat, noch einmal auf. Gemeinsam singt Pink mit ihm im Duett ihre Ballade "Don't Let Me Get Me", ganz speziell für Berlin. Das habe sie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr gesungen, sagt sie. Es klappt wunderbar.

Immer wieder tauchen Tänzer und Akrobaten auf und machen aus manchen Songs kleine Varieté-Nummern. Pink selbst hält sich diesmal mit artistischen Einlagen allerdings zurück. Plaudert dafür immer wieder mit dem Publikum, kämpft mit den Stechmücken im Rampenlicht ("I'll kill that mosquito when it comes back!") und nimmt immer wieder Geschenke aus dem Bühnengraben entgegen, Plüschtiere, Stoffratten, selbstgestrickte Babyklamotten, seltsame Mützen – und einen Käsekuchen.

Premiere der neuen Single "What About Us"

Mit furiosem Afropop, bei dem sich alle Tänzer noch einmal kräftig austoben können, geht es mit "Blow Me (One Last Kiss)" und "Raise Your Glass" ins Finale. Doch der Jubel der 22.000 Besucher holt Pink schnell zurück auf die Bühne. Und dann gibt es als erste Zugabe noch eine kleine Premiere. Denn in dieser Woche ist mit "What About Us" die erste Single aus der neuen Platte erschienen.

Sie singt sie an diesem Abend zum ersten Mal live für die Berliner Fans, begleitet nur von ihrem Pianisten Jason Chapman, den sie zunächst nicht hören kann. Sie bricht ab. "Sorry, I'm doing a Soundcheck", sagt sie ins Auditorium. Aber das Lied sei ihr zu wichtig, um es zu verhunzen. Beim zweiten Anlauf klappt es dann. Und mit "So What", begleitet von erneutem Pyrotechnik- und Nebelwerfer-Einsatz, schickt Pink das aufgeheizte Publikum nach gut eineinhalb Stunden hinaus in die kühle Berliner Nacht.

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