Tierpark Berlin

Kleiner, tapferer Bär: Erste Visite vom Tierarzt

Mädchen oder Junge - Bisher war das Geschlecht des kleinen Eisbären unklar. Nun wurde das Geheimnis gelüftet.

Ein Eisbär namens Fritz: "Typisch deutsch, passt zu Berlin"

Bisher war Berlins Eisbärenbaby namenlos - auch weil sein Geschlecht zunächst unbekannt war. Jetzt steht der Name fest.
Mi, 01.02.2017, 17.43 Uhr

Ein Eisbär namens Fritz: "Typisch deutsch, passt zu Berlin"

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Die ersten Namensvorschläge sind bereits am Freitag vor dem Eisbärengehege gefallen: Egon, Fritz, Anton, Kurt. Zehn Wochen nach der Geburt des Eisbärenbabys im Tierpark in Friedrichsfelde ist das Geheimnis gelüftet: Es ist ein Junge. Die erste Visite in der Wurfhöhle hat Tierarzt und Zoo- und Tierpark-Direktor Andreas Knieriem am Donnerstagmittag höchstpersönlich vorgenommen. Fünf Minuten dauerte die Untersuchung. Das Ergebnis: Ein stattlich entwickeltes Kerlchen – 67 Zentimeter groß von der Nasen- bis zur Schwanzspitze, 4,6 Kilogramm schwer.

Seit sieben Wochen wurden Eisbärenmutter Tonja und ihr Junges auf diesen Moment vorbereitet. Die Pfleger mussten nach der Geburt wieder Vertrauen zu den Bären aufbauen, um sich dem Jungtier nähern zu können. Anfangs ließ Tonja ihr Baby nicht eine Minute allein. Um diese Zeit ohne Nahrungsaufnahme zu überstehen, hatte sie sich vorab einen dicken Speckbauch angefressen. Nach und nach hatte sich Tonja dann wieder in den Nachbarstall gewagt, um Wasser zu trinken. Anfangs protestierte das Eisbärenbaby noch, gewöhnte sich aber mit der Zeit an die kurze Abwesenheit der Mutter.

So wohl fühlt sich das Eisbär-Baby im Tierpark

Die Visite war dennoch für Mutter und Kind aufregend. Tonja wurde mit Trauben, Karotten und Fleisch in den Nachbarstall gelockt und der Schieber zwischen beiden Ställen geschlossen. Als das Jungtier zum ersten Mal in seinem Leben von Menschenhand hochgehoben wurde, fing es an zu fauchen und zu jammern. Daraufhin wurde auch Tonja unruhig und brüllte auf der anderen Seite. Doch alles ging ganz schnell: messen, wiegen, Wurmkur, und schon durfte Tonja wieder zu ihrem Baby. "Sie hat ihr Kind beschnuppert und festgestellt, dass alles in Ordnung ist", sagt Tierpflegerin Andrea Fleischer. Sofort sei es wieder ruhig und entspannt im Eisbärenstall gewesen.

Langsam wird der kleine Bär aktiv. Die ersten Zähnchen sind gerade mal so groß wie bei einer Katze. Doch er beginnt schon am Salat und am Fleisch zu knabbern. Seine Mutter ist seine liebste Spielgefährtin. Gern zieht der Kleine an Mamas Fell oder krabbelt auf sie herauf und provoziert sie zu kleinen Ringkämpfen. Da Mutter Tonja mit sieben Jahren auch noch ein junger Bär ist, haben beide Spaß am Spielen und Balgen. Bis zum Frühjahr bleiben Mutter und Kind im Stall, getrennt von Eisbärenvater Wolodja. Der fünf Jahre alte Bär wird seinen Sohn nie kennenlernen. "Er würde ihn als Beute erkennen und angreifen", sagt Säugetierkurator Florian Sicks. Deshalb werden jetzt verschiedene Varianten geprüft.

Das Eisbärbaby macht seine ersten Schritte

Neues Video: Das Eisbären-Baby tapst durch die Wurfhöhle

Mutter und Kind bleiben zwei Jahre lang zusammen

Vielleicht zieht Wolodja in den Zoo, wo derzeit nur die alte Eisbärendame Katjuscha lebt. Dann hätten Tonja und ihr Junges im Frühjahr das Gehege im Tierpark für sich allein. Denn so viel ist sicher: "Bis Ostern kommen die beiden auf jeden Fall aus dem Stall heraus auf die Anlage", sagt die Tierpflegerin.

Möglich ist aber auch, dass das Eisbärenbaby in den Zoo in die City West zieht. Zwei Jahre lang bleibt es zunächst bei der Mutter im Tierpark. Dann entscheiden die Koordinatoren beim Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP), wie es mit dem Bären weitergeht und wo er am besten für die Zucht geeignet ist. "Dazu werden auch Gentests gemacht", sagt Florian Sicks. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass der kleine Eisbär im Berliner Zoo bleiben könnte.

Im Moment ist er der Liebling der Pfleger und wird einfach "Wicht" oder "Zwerg" gerufen. Auf die Frage, ob er so ein Star wie Knut im Zoo werden könnte, antwortet Pflegerin Andrea Fleischer: "Er wird in der Öffentlichkeit stehen, aber es wird kein Bär sein, den man auf den Arm nehmen kann." Mehr als einen Stups auf die Nase durch die Gitter werde es nicht geben. "Es soll ein Eisbär bleiben", so die Pflegerin. Die Bindung zwischen Tonja und ihrem Kind solle nicht zerstört werden. Die ist – anders als bei Knut, der nicht von seiner Mutter angenommen und von Thomas Dörflein aufgezogen wurde – besonders eng. Obwohl es das erste Kind für Tonja ist, "kümmert sie sich so, als hätte sie schon zwanzig andere großgezogen", sagt Andrea Fleischer.

Wenn die Namenssuche jetzt beginnt, hat sie nur einen Wunsch: "Er soll nicht Lars heißen." Davon gäbe es schon zu viele. Einige Berliner machen sich offenbar seit Wochen Gedanken darum. Die ersten Vorschläge sind bereits zu Weihnachten im Tierpark eingegangen – zu dem Zeitpunkt noch für ein Mädchen oder einen Jungen. Florian Sicks geht die Namenssuche ganz pragmatisch an. "Er sollte kurz sein und sich gut aussprechen lassen", sagt der Kurator. Das trifft jedenfalls auf Fritz, Kurt oder Egon zu.

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