Reaktion auf Angriffe

An Berliner Schule: "Antisemitismus übelster Art"

Nach den antisemitischen Anfeindungen gegen einen 14-Jährigen an einer Schule in Friedenau ist die Empörung groß.

 Juden sind auch in Berlin immer wieder das Ziel von Angriffen und Diskriminierung

Juden sind auch in Berlin immer wieder das Ziel von Angriffen und Diskriminierung

Foto: Maja Hitij / dpa

Die Senatsbildungsverwaltung hat nach den Attacken auf einen 14-jährigen jüdischen Schüler Aufklärung zugesagt. "Wir setzen alles daran, den Vorfall aufzuklären", sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Montag in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dazu sei die Antidiskriminierungsstelle des Senates eingeschaltet worden, die jetzt Gespräche mit allen Beteiligten führen soll. Zudem ermittelt die Polizei gegen mutmaßliche Mitschüler nach einer Strafanzeige der Schule.

Scheeres reagierte auf Medienberichte und Forderungen unter anderem des Zentralrates der Juden in Deutschland. Zentralratspräsident Josef Schuster erklärte im "Tagesspiegel": "Wenn die Berichte stimmen, ist das ein erschütternder Vorgang." Er fügte hinzu: "Hier geht es um Antisemitismus übelster Art." Auch der religionspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, forderte von der Senatsschulverwaltung Aufklärung über den Fall und sagte: "An dieser Art Alltagsantisemitismus darf man nicht schulterzuckend vorübergehen."

Ein Schulverweis gegen die mutmaßlichen Täter wurde noch nicht ausgesprochen

Dabei geht es um einen 14-jährigen jüdischen Jungen, der an einer Schule in Friedenau Opfer antisemitischer Beleidigungen und körperlicher Attacken geworden sein soll. Wie lange der oder die Vorfälle zurückliegen, ist noch unklar. Medienberichten zufolge haben die Eltern ihren Sohn nach einem körperlichen Angriff inzwischen von der Schule abgemeldet. Sie werfen demnach der Schulleitung vor, zu spät auf die Beleidigungen und Angriffe seitens türkisch- und arabischstämmiger Schüler reagiert zu haben. Über den Fall hatte zuerst die jüdische Wochenzeitung "The Jewish Chronicle" berichtet. Ein Schulverweis gegen die mutmaßlichen Täter wurde nach Angaben der Senatsschulverwaltung noch nicht ausgesprochen.

Schuster forderte die Berliner Schulverwaltung dazu auf, das Verhalten der Friedenauer Schulleitung genau zu untersuchen und Versäumnisse klar zu benennen. Zudem appellierte er an die muslimische Gemeinschaft, "den antisemitischen Tendenzen in ihren Reihen mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten". Es könne nicht angehen, "dass in einem Teil der Moscheen in Deutschland Judenfeindlichkeit und Israelfeindlichkeit aktiv Vorschub geleistet wird".

"Das ist kein Schöneberger oder Berliner Problem, sondern gilt für ganz Deutschland"

Grünen-Politiker Beck erklärte, die Politik habe beim Thema Antizionismus zulange weg- oder vorbeigeschaut: "Gerade mit der Verbreitung des Hasses auf Israel wird auch Antisemitismus verbreitet und salonfähig gemacht." So würden die gesellschaftlichen Freiheiten von Juden in Deutschland eingeengt und ihr Recht auf Gleichheit angegriffen, sagte Beck.

Wieder antisemitische Vorfälle in Berlin
Video: BMO

Die in Neukölln gegründete Initiative Salaam-Schalom bezeichnete Antisemitismus in Schulen als ein bundesweites Phänomen. So würden viele Kinder und Jugendliche "Jude" als Schimpfwort einsetzen, ohne Juden oder das Judentum selbst zu kennen, sagte der Koordinator der interkulturellen Initiative, Armin Langer, am Montag dem epd in Berlin.

Zum aktuellen Fall des 14-jährigen jüdischen Jungen sagte Langer: "Das ist kein Schöneberger oder Berliner Problem, sondern gilt für ganz Deutschland." Zugleich bestätigte er, dass Salaam-Schalom bereits Ende 2016 wegen des Falles um Hilfe gebeten worden sei. Allerdings sei dann auf das Angebot der Initiative nicht eingegangen worden, so Langer. Salaam-Schalom schickt beispielsweise ein muslimisches und ein jüdisches Mitglied gemeinsam in Schulen, wo die beiden mit Schülern ins Gespräch kommen und sich als Freunde und Kollegen präsentieren.

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