Mein Berlin

Was uralte Manuskripte Berlin für 2017 prophezeien

Hellseher haben mal wieder den Weltuntergang vorausgesagt. Doch womit muss Berlin rechnen? Eine Kolumne von Nina Paulsen.

Das sogenannte Berliner Ketchupmanuskript über die Zukunft Berlins

Das sogenannte Berliner Ketchupmanuskript über die Zukunft Berlins

Foto: dpa Picture-Alliance / M. Haddenhorst / picture alliance / blickwinkel/M

Wenn es ein Jahresanfangsgefühl für 2017 gibt, dann lässt es sich mit einem Wort beschreiben: Uff. Ist ja alles nicht so leicht im Moment – und es kommt noch eine Menge auf uns zu. Das Dschungelcamp geht los. Trump wird US-Präsident. Im Herbst ist Bundestagswahl. Am BER startet schon wieder kein Flieger (schöne Grüße nach Hamburg, wo am Mittwoch die Elbphilharmonie eröffnet). Uff. Mehr kann man da gar nicht sagen.

Auch Hellseher und Prophezeiungen haben keine guten Nachrichten parat. Kann man alles im Internet nachlesen, was da steht, stimmt ja schließlich immer. Die uralten indischen Palmblattmanuskripte zum Beispiel sagen für 2017 großflächige Stromausfälle voraus. Mehrere Tage soll die Dunkelheit bei uns dauern, in den USA sogar noch länger. Außerdem eine Sensation: Die Medizin überwindet die Sterblichkeit des Menschen. Allerdings soll dies zum Fluch für uns alle werden – ein klassischer Fall von: "Hurra! Ach nee, doch nicht." Das Schöne an solchen Texten zur Zukunft der Welt sind aber immer die vielen Fragezeichen: Steht die Menschheit vor dem Abgrund? Kommt die Apokalypse? Greift Russland Europa an? Läutet eine dreitägige Finsternis das Ende allen Lebens ein? Dazu werden gruselige Bilder von Rauchsäulen und großen schwarzen Vögeln gezeigt.

Die Prophezeiungen aus dem Berliner Ketchupmanuskript

Ich weiß nicht, was Vögel damit zu tun haben, aber ich finde diesen ganzen Pessimismus furchtbar. Ich habe deshalb gründlich recherchiert und mal ein paar Prophezeiungen für Berlin ausgegraben, die ganz anständig sind. Hier sind sie, entschlüsselt aus dreitausend Jahre altem verschmierten Cheeseburgerpapier, dem sogenannten Berliner Ketchupmanuskript:

Die erste gute Nachricht: Dem Senat gelingt im ersten Quartal 2017 eine Radikalkur der Berliner Bürgerämter. Im Keller des Bezirksamtes in Mitte findet eine Sekretärin auf der Suche nach Tipp-Ex zufällig einen Raum mit 241 Beamten, die seit drei Jahren als verschollen galten, aber hier jeden Tag Gummitwist spielen und ihre Stullen untereinander tauschen, weil der Herr Schmidt nun mal keinen Gouda mag, dem ihm seine Frau immer aufs Mischbrot legt. Nachdem der Innensenator ein Machtwort spricht, kehren die Mitarbeiter grummelnd an ihre Plätze zurück. Es gibt plötzlich wieder Termine und Personalausweise für alle. Und keinen Gouda mehr für Herrn Schmidt.

Die Wlan-Vision entstand in Trance

Im Sommer dann, so deuten es die berühmtesten Zukunftsseher aus den uralten Dokumenten, könnte es endlich kostenloses Wlan in Berlin geben. Ohne Einschränkungen. Allerdings wurden diese Visionen in Trance aufgeschrieben, deshalb ist ihre Entschlüsselung nicht immer exakt. Vielleicht gibt es auch kein Wlan. Oder statt Wlan Elan. Oder es geht doch um etwas ganz anderes. Dackel vielleicht. Oder Eiswaffeln. Die kosten dann aber 2,50 Euro pro Stück.

Mehr Eindeutigkeit herrscht dagegen im Frühherbst: Dann gibt es endlich Unisex-Toiletten in allen öffentlichen Einrichtungen, allen Tram-Wagen, U-Bahnen, Bussen, S-Bahnen und Currywurstbuden. Damit hat R2G eines seiner Ziele früher als geplant erreicht. Die Deuter der Ketchupmanuskripte sind hier untereinander d'accord. Pessimistisch sind sie allerdings, was die Sauberkeit der Sanitäranlagen betrifft. Steht die Menschheit vor dem Abgrund? Naht die Apokalypse? Man sieht schon schwarze Vögel kreisen.

BER eröffnet - großes Schenkelklopfen im Abgeordnetenhaus

Im Winter folgt dann das Ereignis, das Berlin in seinen Grundfesten erschüttert. Der BER eröffnet. "War doch alles nur ein Witz", sagt Flughafenchef Karsten Mühlenfeld lachend. "Wir wollten mal gucken, ob ihr uns das mit der kaputten Brandschutzanlage wirklich glaubt." Großes Schenkelklopfen im Abgeordnetenhaus. Und dann wird Hertha nachträglich doch noch Meister, die S-Bahn fährt pünktlich, die Sommerbaustellen werden zügig fertig, Tegel bleibt offen und der Stau auf der A100 löst sich für immer in Luft auf. Können Sie ruhig glauben, die Maya haben es schon immer gewusst, die Palmblätter auch. 2017 wird lustig in Berlin. Ganz bestimmt und ohne jedes Fragezeichen.

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