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Traditionsschifffahrt unter Druck

Die ehrenamtlichen Betreiber sorgen sich um die Zukunft ihrer Museumsschiffe. Auch eine Ausflaggung kommt für sie infrage

Die deutsche Traditionsschifffahrt kommt nicht zur Ruhe: Es ist erst wenige Monate her, dass vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur eine neue Verordnung bekannt gegeben wurde, die noch in diesem Jahr in Kraft treten soll und die den Betrieb von sogenannten Traditionsschiffen gefährden könnte. Davon betroffen wären dann alle Betreiber von alten Segel-, Dampf- oder Motorschiffen. Hierzu zählen etwa die Schiffe des Vereins "Clipper – Deutsches Jugendwerk zur See", auf denen Jugendliche Seemannschaft und Teamgeist erlernen können.

In dem vom Bundesministerium im vergangenen Herbst vorgelegten Entwurf zur Änderung der sogenannten Traditionsschiffsverordnung sind nämlich so gravierende Auflagen enthalten, dass sie das Ende für viele solcher Schiffe bedeuten könnten. "Der Entwurf sieht vor, dass die Schiffe in ihrem Aussehen beziehungsweise baulichen Zustand so verändert werden müssten, dass sie ihren ursprünglichen Charakter verlieren könnten. Außerdem werden so hohe Anforderungen an die Besatzung gestellt, dass der Betrieb der Schiffe nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich wäre", befürchtet Nikolaus Kern, Vorsitzender des Clipper-Vereins.

In der bislang gültigen Sicherheitsrichtlinie hatten die Traditionsschiffe einen Sonderstatus. Dieser wird nun mit der geplanten Anpassung der Richtlinie an die Berufsschifffahrt deutlich eingeschränkt. Künftig wird dann festgelegt, wie historische Schiffe gebaut und ausgerüstet sein müssen und welche Qualifikationen die ehrenamtlichen Besatzungen nachzuweisen haben. So wird etwa gefordert, dass die Stammmannschaft Seediensttauglichkeitszeugnisse vorlegen muss. "Vereine mit wöchentlich wechselnder Besatzung können diese Vorgaben jedoch nicht erfüllen", so Kern.

Daher hatten die Vertreter der deutschen Traditionsschiffsflotte, insbesondere die "Gemeinsame Kommission für historische Wasserfahrzeuge", wiederholt ihren Protest verkündet und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) um den Erhalt des Sonderstatus der Traditionsschiffe gebeten. Nun jedoch hat der parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann den Traditionsschiffern mitgeteilt, dass die Verordnung wie im umstrittenen Entwurf vorgesehen in Kraft gesetzt werden soll. Diese Nachricht sorgt für große Aufregung unter den Traditionsschiffern – vor allem deshalb, weil Dobrindt noch Anfang ­April am Rande einer Protestaktion der Traditionssegler bei der Maritimen Konferenz in Hamburg zugesichert hatte, einen Gesprächstermin vorzuschlagen, bei dem er sich persönlich die Bedenken anhören wollte. Dies sorgte bei den Traditionsschiffern für die Hoffnung, dass Änderungen am Entwurf nach wie vor möglich seien. Die Dachorganisation hat sich daher intensiv auf das Gespräch vorbereitet, Fragen an den Minister und Änderungsvorschläge zur Verordnung ausgearbeitet.

Diese Hoffnung hat sich nun zerschlagen, denn anstatt des Ministers erschien nur der Staatssekretär. Die meist ehrenamtlich geführten Betreibervereine tragen sich nun mit Überlegungen, wie das Aus ihrer Museumsschiffe verhindert werden kann, etwa durch alternative Betriebsformen oder das Ausflaggen der Schiffe, also den Wechsel der Nationenflagge, wodurch das jeweilige Schiff nicht mehr den deutschen Sicherheitsrichtlinien unterliegen würde.

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