Viertelfinale gegen Bayern

Alba im Duell der Gegensätze

Berlins Trainer-Novize Päch trifft heute auf den erfahrenen Coach Djordjevic – und darf trotzdem auf den zweiten Sieg im Viertelfinale hoffen.

Thomas Päch hat sich in kurzer Zeuit bereits einen Namen gemacht im deutschen Basketball

Thomas Päch hat sich in kurzer Zeuit bereits einen Namen gemacht im deutschen Basketball

Foto: imago sport / imago/Sven Simon

Berlin.  Egal, ob Alba an diesem Dienstag in der Mercedes-Benz Arena (20.30 Uhr) in der Best-of-five-Serie des Viertelfinales zur Deutschen Meisterschaft ein fünftes und entscheidendes Spiel gegen den FC Bayern erzwingt oder nicht: ein Gewinner steht schon fest. Thomas Päch, erst seit der Demission seines ehemaligen Vorgängers und Chefs Ahmet Caki zwei Tage vor dem Ende der Hauptrunde im Rampenlicht, hat in kürzester Zeit aus einer Mannschaft, die am Boden lag, ein Alba-Team geformt, das bislang im Play-off alle Erwartungen bei Weitem übertraf.

Sieg in Spiel zwei, eine knappe Auswärtsniederlage im dritten Duell in München. Ergebnisse, die nicht nur hoffen lassen, dass Alba in Spiel vier das Saisonende abwendet, sondern umso bemerkenswerter sind, wenn man bedenkt, dass an der Seitenlinie, keine 20 Meter von ihm entfernt, mit Aleksandar Djordjevic (49) eine Legende des Weltbasketballs die Geschicke der schwerreichen Bayern lenkt.

Päch, heute 34 Jahre alt, fieberte seinem fünften Geburtstag entgegen, als "Sasa" Djordjevic unter Svetislav Pesic 1987 mit der goldenen Generation Jugoslawiens, zu der auch Toni Kukoc, Vlade Divac oder Dino Radja gehörten, im italienischen Bormio Junioren-Weltmeister wurde. Es kamen danach unzählige Erfolge hinzu, wie beispielsweise die Silbermedaillen der WM 2014 und der Olympischen Spiele als Trainer der serbischen Nationalmannschaft.

Als Spieler war Djordjevic 1998 Welt- und dreimal Europameister (1991, 1995, 1997), zweimal (1994 und 1995) "Europas Spieler des Jahres", 2008 wurde er von der Euroleague als eine der "50 bedeutendsten Persönlichkeiten des europäischen Basketballs" geehrt. In den Trikots europäischer Spitzenklubs war er mit Partizan Belgrad nicht nur Euroleague-Champion, sondern in Jugoslawien auch Meister (1987 und 1992) und Pokalsieger (1989 und 1992). Mit dem FC Barcelona (1997 und 1999) und Real Madrid (2000) holte er drei Meisterschaften in Spanien. Mit Belgrad (1989), Mailand (1993) und Barcelona (1999) gewann er dreimal den europäischen Korac Cup.

Beide mit Anleihen aus der Pesic-Schule

"Ein Gewinner", sagt der ehemalige Alba-Kapitän Henrik Rödl (47), selbst Legende, dessen Wege sich mit denen mit Djordjevics seit Bormio unzählige Mal kreuzten. "Sasa hatte immer alles unter Kontrolle, und er hatte den Mut, den entscheidenden Wurf zu nehmen." Auch dafür gibt es nicht nur ein Beispiel: Für Partizan Belgrad traf er 1992 im Euroleague-Finale in der Schlusssekunde den entscheidenden Dreier zum 71:70 gegen Juventut Badalona, gleiches gelang ihm bei der EM 1997 beim 64:62 gegen Kroatien. Im Finale der Europameisterschaft 1995 steuerte er gegen Litauen neun von zwölf Dreiern und insgesamt 41 Punkte bei. Noch Fragen?

"Ich muss mich manchmal schon kneifen, wenn ich realisiere, wer da auf der anderen Seite ist", sagt Päch, dessen einziger Erfolg als Cheftrainer bislang die Berliner Meisterschaft mit Albas U14 ist. Wenn dann einer wie Djordjevic nach Spiel zwei sagt: "Coach Päch und sein Team sind verdienter Sieger heute. Vor allem im dritten Viertel sind sie wirklich außergewöhnlich aufgetreten", oder nach Spiel drei: "Alba hat gleich da weitergemacht, wo sie beim letzten Spiel aufgehört haben. Sie waren energiegeladen und aggressiv auf dem Feld. Spiel vier wird nun nicht weniger fordernd werden", – dann fehlt eigentlich nicht mehr viel zum Ritterschlag. Davon will Päch aber nichts wissen. "Ich bin fokussiert auf mein Team. Wichtig ist, wie die Jungs reagieren und was bei uns in der Kabine passiert", sagt er.

Dass sich Päch gleich der zuvor desolaten Verteidigungsarbeit annahm, legt nahe, dass auch er etwas von Pesics Erbe abbekommen hat. Anders als bei Djordjevic, dessen Stammbaum direkt zum Meistertrainer führt, liegt bei Berlins jungem Coach hingegen eine Generation dazwischen. In fünf Jahren als Assistent von Henrik Rödl in Trier und einem unter Sasa Obradovic bei Alba arbeitete er für Trainer, die als Spieler unter dem "Alten", wie sie Pesic liebevoll nennen, national und international unzählige Titel gewonnen haben.

Päch hatte in seiner jungen Karriere als Albas Headcoach ganz offensichtlich noch keine Zeit, sich Gedanken über solche Stammbäume zu machen. Denn er stutzt. Dann lacht er und sagt: "Da ist wahrscheinlich was dran. Sasa und Henrik sind als Typen so unterschiedlich, wie man nur sein kann. Aber wenn es um Basketball geht, sagen sie absolut das Gleiche." Was sich in etwa mit guter Verteidigung, heißem Herzen und kühlem Kopf zusammenfassen lässt. Tugenden, die Alba im Slogan "Mit Leib und Seele" bündelt, und die Päch wieder mit Leben erfüllt hat. Als "ein junger Mann, der gar nicht so schnell gucken konnte, wie er in eine viel größere Verantwortung gekommen ist", sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. "Dass sein Glaube bislang zumindest zu einem Sieg geführt hat, als alle geglaubt haben, wir könnten ruhig schon die nächste Saison vorbereiten, freut mich tierisch."

Päch hat in gerade Mal zwei Wochen seine Visitenkarte im deutschen Spitzenbasketball abgegeben, und er wird auch kommende Saison bei Alba bleiben, "egal, in welcher Funktion", wie er sagt. Sollte er dem großen Djordjevic erneut ein Bein stellen oder ihn gar mit den Bayern aus dem Viertelfinale werfen, dürfte die Frage nach der Funktion spannend werden.

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