Volleyball

Luke Perry ist verliebt in Berlin

Der Australier Luke Perry genießt sein Leben als Profi bei den BR Volleys und glaubt fest an den Gewinn seiner ersten Deutschen Meisterschaft.

Luke Perry bei seiner großen Stärke, der Ballannahme. Kein Bundesligaspieler hat bessere Werte als der Berliner Libero. Dabei ist er erst 21 Jahre alt

Luke Perry bei seiner großen Stärke, der Ballannahme. Kein Bundesligaspieler hat bessere Werte als der Berliner Libero. Dabei ist er erst 21 Jahre alt

Foto: imago sport / imago/Conny Kurth

Berlin.  Den Treffpunkt wählt Luke Perry aus: einen Burger-Laden in Mitte. Zum Interview bringt der Libero der BR Volleys gleich noch einen Kumpel aus der australischen Volleyball-Nationalmannschaft mit. Mitchell Tulley von den United Volleys RheinMain ist gerade zu Besuch bei ihm in Charlottenburg. Zwei Dinge sind also schon vor dem Gespräch klar. Die Aus­tralier in Europa halten zusammen. Und Perry kennt sich nach nicht mal einem Jahr in der Stadt sehr gut aus, was Restaurants angeht.

BR Volleys streben achte Meisterschaft an

"Das kommt durch Paul", sagt der 21-Jährige lächelnd. Gemeint ist Paul Carroll, ebenfalls aus Down Under und seit 2011 in Berlin. Der neun Jahre ältere Diagonalangreifer ist mit ihm in der ersten Zeit kreuz und quer durch die Stadt gefahren, um ihm alles zu zeigen. "Luke ist wie ein kleiner Bruder für mich", sagt Carroll. Gemeinsam wollen sie an diesem Sonntag (14.30 Uhr, Sportdeutschland.tv) Deutscher Meister werden. Im dritten Finale der Serie "Best of three" treten die Berliner beim VfB Friedrichshafen an. Der Sieger gewinnt den Titel. Für die BR Volleys wäre es der achte, für Carroll der fünfte, für Perry der erste. Dafür ist er 2016 nach Berlin gewechselt und hat hier einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben.

Perry kennt die ZF-Arena gut. Vergangene Saison trug er noch das VfB-Trikot. Kein schlechtes Wort gegen den Klub oder die Leute dort. Die Menschen in Deutschland seien "sehr freundlich". Der Bodensee? "Nice!" Aber wohler fühlt er sich doch in Berlin. Hier gibt es immer etwas anzusehen, die Eastside Gallery liebt der junge Mann. Ständig findet er neue Restaurants und Cafés. Er war beim Konzert des Rappers Drake, vergangenes Jahr beim Festival Lollapalooza. "Ich spreche mit Freunden, die in anderen Ländern, in kleinen Orten spielen. Denen ist es so langweilig. Sie warten nur auf das Training, auf die Spiele, auf das nächste Treffen. Ich würde verrückt werden. Berlin gibt mir ein Leben neben dem Volleyball."

Es gibt schlechtere Jobs als Volleyball-Profi

Das weiß Luke Perry zu genießen. Wie seinen Job. "Es ist schon cool aufzuwachen, dann zum Volleyball-Training zu gehen, Spiele zu haben, dafür bezahlt zu werden, was mir Spaß macht und dabei die Welt kennenzulernen", schwärmt Perry. "Es ist definitiv besser, als stundenlang im Büro zu sitzen." Vor allem, wenn man seinen Job auch noch gut macht. Der 21-Jährige ist mit seinen 180 Zentimetern alles andere als ein Zwerg, doch zwischen all den Riesen auf dem Volleyballfeld mit Abstand der Kleinste. Trotzdem ist er nicht minder wichtig für die Mannschaft.

Als Libero ist Perry zuständig für die Ballannahme bei Aufschlägen und in der Feldabwehr, wenn irgendwelche Hünen mit Urgewalt die Bälle auf seine Seite des Netzes prügeln. Da hilft es ihm, klein und wendig zu sein. Er darf nicht aufschlagen, nicht angreifen. In seiner ganzen Karriere, erzählt Luke Perry, "habe ich vier Punkte gemacht". Doch, und das hebt er nicht groß hervor, er hat Tausende verhindert, indem er auch die unmöglichsten Bälle noch erreicht, bevor sie den Boden berühren.

Bester in der Bundesliga in Annahme und Feldabwehr

In der Statistik der Bundesliga-Punkterunde liegt Perry mit 62,5 Prozent perfekt oder gut angenommener Bälle nach Aufschlägen des Gegners sowie 67,5 Prozent in der Feldabwehr jeweils an erster Stelle. "Luke ist unser Boss in Annahme und Abwehr", lobt Carroll seinen Mitspieler, "er ist sehr selbstbewusst. Bei der Annahme deckt Luke die Hälfte des Feldes ab, das macht es für alle anderen einfacher." Hinzu kommt, dass Perry wieselflink selbst hoffnungslos verlorenen Bällen noch hinterhersprintet und manches Mal tatsächlich im Spiel hält. Deshalb und weil er mit seinen Löckchen so jungenhaft wirkt, lieben ihn die Zuschauer besonders.

Er liebt es, abseits des Feldes unauffällig zu bleiben. An der Mixed Zone, dem Treffpunkt der Spieler und Journalisten nach den Partien, schleicht er vorzugsweise wortlos vorbei. Interviews mit ihm haben Seltenheitswert. Jetzt vor dem Spiel gegen seinen Ex-Klub Friedrichshafen – das sieht er ein. Ist er müde nach der langen Saison? Ungläubiger Blick: "Nein, doch nicht vor einem Alles-oder-nichts-Spiel. Das wäre eine faule Ausrede." Nach dem ersten Sieg im sechsten Saisonvergleich mit dem VfB sieht er gute Chancen für sein Team, jetzt auch den entscheidenden folgen zu lassen. An ihm soll es nicht liegen, er wird wie immer keinen Ball verloren geben. Carroll findet: "Luke spielt nicht wie ein 21-Jähriger, sondern wie ein Spieler, der schon viel älter ist." Wie ein kleiner Bruder auf Augenhöhe.

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