Volleyball

BR Volleys baggern um die Zukunft

Der Deutsche Meister BR Volleys hält sein Erfolgsteam zusammen. Nur hinter Youngster Ruben Schott steht noch ein großes Fragezeichen.

Stark in der Annahme, stark in der Feldabwehr, stark im Angriff: Ruben Schotts Entwicklung hat manche überrascht

Stark in der Annahme, stark in der Feldabwehr, stark im Angriff: Ruben Schotts Entwicklung hat manche überrascht

Foto: nph / Kurth / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Die Stimme von Ruben Schott klingt noch ein bisschen knarzig am Montagmittag – kein Wunder nach der fröhlichen Meisterfeier im Bus von Friedrichshafen nach Berlin. Wann er zu Hause angekommen ist? Keine Ahnung, "ich hab nicht auf die Uhr geschaut, aber es wurde schon hell", antwortet der 22-Jährige bereits wieder fröhlich. Seine Kräfte und die seiner Teamkollegen von den BR Volleys scheinen unerschöpflich zu sein. Nach einer Marathonsaison mit 46 Spielen in sieben Monaten wurde am Abend im kleinen Kreis noch einmal Party gemacht, und am Dienstag (ab 18.30 Uhr) folgt nun die offizielle Abschiedsveranstaltung mit Sponsoren und Fans im Vip-Bereich der Schmeling-Halle.

Die meisten Spieler bleiben, Trainer Serniotti geht

Wobei: So viel Abschied ist gar nicht vorgesehen. "Der Stamm der Volleys bleibt zusammen", kündigt Geschäftsführer Kaweh Niroomand an. Das bedeutet, dass die beste Vereinsmannschaft im deutschen Volleyball, die sich am Sonntag durch ein 3:1 beim VfB Friedrichshafen ihren achten Meistertitel sicherte, vorbereitet ist, auch in der kommenden Spielzeit alle Herausforderer abzuwehren, sei es vom Bodensee oder aus dem Rhein-Main-Gebiet. Offiziell verkündet ist nur der Rücktritt von Klublegende Felix Fischer. Niroomand mag sich nicht in die Karten schauen lassen, es soll ja am Dienstagabend noch etwas zu verkünden geben. Doch offenbar hat keiner der Leistungsträger, die er halten möchte, ihm einen Korb gegeben.

Das hat auch Ruben Schott nicht getan, wie auch, der Manager und sein Youngster treffen sich erst an diesem Dienstag zum Gespräch über die Zukunft. Der Jung-Nationalspieler hat in den vergangenen Monaten eine ebenso erfreuliche wie erstaunliche Entwicklung genommen. Als Außenangreifer hatte er bis weit in die Saison hinein noch zwei Konkurrenten vor sich. Zum einen den Serben Nikola Kovacevic, von dem sich der Verein im Januar aber trennte. Und dann den Kanadier Steven Marshall, der sich im Februar verletzte.

Nicht von ungefähr den Matchball verwandelt

Da schlug die Stunde des gebürtigen Berliners. Er nutzte seine Chance trefflich, nicht nur im dritten Finale, in dem er den Matchball zur Meisterschaft verwandelte. Sondern schon vorher, als der ungemein trainingsfleißige Schott sich von Woche zu Woche steigerte. Nicht von ungefähr bekam er am Sonntag die Gelegenheit durch Zuspieler Tsimafei Zhukouski, den Schlusspunkt der Saison zu setzen.

"Jeder Punkt im Finale war schön", sagt Schott, "aber dieser letzte war besonders für mich, weil er das Vertrauen zeigt, das ich bekomme." Endlich. Lange war das anders, er musste sich hinten anstellen. Länger, als ein junger Spieler mit seinem Potenzial das manchmal verstehen kann. Und so ist es nur logisch, dass er sich Gedanken über einen Wechsel gemacht hat. Die United Volleys RheinMain machten ihm ein Angebot. Dazu passt, dass Schotts Freundin, ebenfalls Volleyballspielerin, aus Potsdam angeblich zum VC Wiesbaden umzieht. Niroomand glaubt, dass auch Friedrichshafen Interesse signalisiert hat. Da wird es ihn freuen zu hören, was Schott dazu sagt: "Ein Wechsel innerhalb Deutschlands wäre Quatsch. Ich spiele ja bei der besten deutschen Mannschaft."

Italien und Polen reizen, aber Geld ist nicht alles

Ihn reizt eher das Ausland, "Italien, Polen, die Hochburgen des Volleyballs". Mit seinen Kollegen in der Nationalmannschaft und bei den BR Volleys hat er darüber gesprochen, sich deren Erfahrungen angehört. Doch er ist ja noch jung, eine Verlängerung seines im Sommer endenden Vertrages in Berlin möglich. Schott hat dabei sehr klare Vorstellungen. Es geht ihm (noch) nicht ums große Geld. "Als junger Spieler möchte man viel Spielanteile haben. Und man möchte jemanden als Trainer haben, der mit jungen Leuten arbeiten kann. Mir geht es vor allem um meine Weiterentwicklung."

Vor dem Hintergrund, dass mit Felix Fischer ein "Local hero" nächste Saison nicht mehr dabei ist und mit Robert Kromm (33) und Sebastian Kühner (30) zwei weitere Berliner nicht mehr die Allerjüngsten sind, täte dem Verein gut, wenn Ruben Schott als Kind der eigenen Nachwuchsarbeit seine Karriere in der Hauptstadt fortsetzen würde. Als ein Gesicht des Programms. Niroomand sagt: "Jetzt, wo er so stark geworden ist, wollen wir natürlich gern auch die Früchte ernten." Der Manager dürfte seinem jungen Star deshalb einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag anbieten. Schott ist noch unentschlossen, will sich mit seiner Familie beraten, was das Beste für ihn ist.

Suche nach einem neuen Trainer hat begonnen

Sein Wunsch nach einem Trainer, der auf junge Spieler setzt, wird wohl in Erfüllung gehen. Dass Roberto Serniott (55) bereits beim polnischen Topteam Resovia Rzeszow als Zugang verkündet wurde, ist bekannt. Dabei wurde er zweimal mit den BR Volleys Deutscher Meister, außerdem Pokal- und CEV-Cup-Sieger. "Titel sind im Sport sehr wichtig. Aber ich messe die Arbeit eines Trainers nicht nur daran", stellt Niroomand klar. Obwohl er sich nicht noch deutlicher äußert: Der Abschied vom Italiener scheint beschlossene Sache. Die Suche nach einem neuen, jüngeren Mann hat längst begonnen.

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