Volleyball

Gleich zum Anfang richtig Ärger

Meister BR Volleys beschwert sich über den neuen Bundestrainer Andrea Giani, weil das Talent Ruben Schott zu ihm nach Mailand wechselt.

Andrea Giani ist in Personalunion Bundestrainer der deutschen Volleyballnationalmannschaft und Trainer des italienischen Erstligisten Revivre Powervolley Mailand

Andrea Giani ist in Personalunion Bundestrainer der deutschen Volleyballnationalmannschaft und Trainer des italienischen Erstligisten Revivre Powervolley Mailand

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Andrea Giani unterbricht das Training. Gerade ist ein Ball zwischen den Volleyball-Nationalspielern Ruben Schott und Moritz Karlitzek auf den Boden gefallen. "Ruben, ich erwarte, dass du den nimmst", sagt Giani. "Du bist für mich der erste Annahmespieler." Den nächsten Ball baggert der 22-Jährige perfekt nach vorn. Der neue Volleyball-Bundestrainer nickt anerkennend.

Giani hält viel von Schott. Das sagte er beim ersten Lehrgang der deutschen Nationalmannschaft in Kienbaum. So viel, dass er dem Außenangreifer, der seit 2013 bei den BR Volleys unter Vertrag steht, bei seinem Klub, dem italienischen Erstligisten Revivre Powervolley Mailand ein Angebot gemacht hat – und Schott nahm an.

Niroomand: Ich bin richtig sauer

Damit verlieren die BR Volleys nach Felix Fischer ihre nächste Identifikationsfigur. "Ich bin richtig sauer", echauffierte sich Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand. "Ich finde den Vorgang skandalös, wenn ein Talent mit 22 Jahren von einem europäischen Topklub weggeholt wird und der neue ­Bundestrainer seine Position dafür ausnutzt." Wenn Giani es wage, noch ­einmal einen Fuß in die Max-Schmeling-Halle zu setzen, werde er ihn eigenhändig rausschmeißen.

Gern hätte Niroomand Schott selbst hier gebunden, jetzt wo der Athlet sich zu einem Stammspieler entwickelt hat. Doch das Problem, Spieler in ausländische Ligen abgeben zu müssen, hat die Volleyball-Bundesliga seit Jahren. In Italien, Polen oder Russland ist das Niveau höher und die Verdienstmöglichkeiten sind besser. Auch die United Volleys müssen sich von Moritz Reichert (22) und Jan Zimmermann (24) verabschieden, die ihr Glück in Frankreich versuchen werden.

Auch der Volleball-Verband steht in der Kritik

"Wir müssen einen Weg finden, die Talente zu halten", sagt Niroomand. Gerade diskutiert die Liga über die Einführung einer Deutschenquote für die kommende Saison. Niroomand hat jetzt einen Deutschen weniger und schießt auch gegen den Verband, der Giani seiner Ansicht nach die Hände hätte binden müssen. "Das kann ja nicht sein, dass der DVV dabei tatenlos zusieht", kritisiert er.

"Rechtlich gesehen können wir das nicht verbieten", sagte der neue Sportdirektor Christian Dünnes. "Da würden wir in die Rechte der Spieler eingreifen." Tatsächlich war es so, dass der Spielervermittler von Ruben Schott dessen Profil in Mailand angeboten hat, was bedeutet, dass Schott ohnehin wechselwillig war.

Giani: "Berlin hatte die Möglichkeit, Schott zu überzeugen"

"Ich habe geantwortet, dass mein Klub interessiert wäre, weil ich denke, dass er ein guter Spieler ist, aber ich habe Ruben nie angerufen oder ihn versucht zu überreden", sagte Giani der Morgenpost. "Berlin hatte die Möglichkeit, ihn zu überzeugen, es ist seine Entscheidung."

Das ist genau der Punkt, den Niroomand sich selbst anlasten muss. So ganz zufrieden war sein Spieler nicht in Berlin. "Wenn mich jemand in der ersten Saisonhälfte gefragt hätte, ob ich bleibe, hätte ich vermutlich nein gesagt", erzählt Schott. Hinter Robert Kromm und Steven Marshall erhielt er kaum Spielanteile, zudem hatte Niroomand mit Nikola Kovacevic noch einen vierten Außenangreifer internationalen Kalibers verpflichtet.

Schott freut sich auf Mailand

Hätte Marshall sich nicht im Februar verletzt, wäre Schott wohl kaum in Erscheinung getreten. So spielte er ausgerechnet an dem Tag, an dem der Bundestrainer in Berlin vorgestellt wurde, in der Champions-League-Partie gegen den polnischen Spitzenklub Asseco Rzeszow, eines seiner besten Spiele und entwickelte sich in den vergangenen Wochen in einem Tempo, mit dem wohl die wenigsten gerechnet hätten. Daran will er nun anknüpfen. "Ich glaube, dass ich mich bei Giani super entwickeln kann", sagt Schott. "Dass er Nationaltrainer ist, hat mit meiner Entscheidung nichts zu tun."

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