Handball

Füchse sind mit Lindberg im Anflug auf Europa

Rechtsaußen Hans Lindberg ist bei den Füchsen zum Top-Torjäger avanciert. Jetzt will er mit seinem Team das Final Four im EHF-Cup sichern.

Hans Lindberg ist bei den Füchsen der Spezialist für die Siebenmeter und trifft auch aus dem Feld immer zuverlässig

Hans Lindberg ist bei den Füchsen der Spezialist für die Siebenmeter und trifft auch aus dem Feld immer zuverlässig

Foto: imago sport / imago/Bernd König

Berlin.  Nur wenige Zentimeter überquert der Ball den Kopf des Torhüters. Hans Lindberg reißt beide Arme hoch, sein Schrei verschmilzt mit dem tosenden Applaus des Publikums. Erster Siebenmeter des Spiels und dann gleich ein Heber. Im Duell Mann gegen Mann. Hohes Risiko, aber bei erfolgreichem Abschluss umso schöner, weil spektakulär und Zeugnis höchster Handball-Qualität.

Beim souveränen Heimsieg über Hannover (34:27) war Lindberg am Mittwoch mit acht Toren bester Füchse-Werfer. Alle drei Siebenmeter verwandelte der Däne sicher. Seine Wurfquote betrug 100 Prozent, mehr geht nicht. "Hans ist einer unserer wichtigsten Spieler", lobt denn auch Geschäftsführer Bob Hanning den Rechtsaußen, der seit Wochen in überragender Form ist. "Er ist für uns zum Königstransfer geworden. Hans ist erfahren, ruhig und sicher, damit verleiht er der Mannschaft ein hohes Maß an Stabilität." Und Trainer Velimir Petkovic sagt: "Hans zeigt keine Nerven, das zeichnet ihn aus."

Diese Qualitäten werden die Füchse brauchen, wenn sie am Sonnabend (15 Uhr, Schmeling-Halle) im Viertelfinal-Rückspiel gegen Tatabanya KC aus Ungarn den Einzug ins Final Four des EHF-Cups perfekt machen wollen. "Es wäre das dritte Mal, dass uns so etwas Großartiges gelingen würde", sagt Hanning. 2012 hatten die Berliner überraschend die Endrunde in der Champions League erreicht, wurden in Köln Vierter. 2015 gelang dann vor heimischer Kulisse mit dem Triumph im EHF-Cup der erste internationale Titel der Vereinsgeschichte. Jetzt winkt das EHF-Final-Four in Göppingen (20./21. Mai).

Mit dem HSV gewann er schon die Champions League

Und die Voraussetzungen sind gut, das Hinspiel am vergangenen Wochenende hatten die Berliner mit 30:25 gewonnen. Bester Schütze: Hans Lindberg mit neun Toren. Der 35-jährige Däne sagt: "Ich bin halt ein sehr ehrgeiziger Typ und will immer gewinnen." Das freut den Füchse-Chef. "Hans macht bei uns die wichtigen Treffer", lobt Hanning den Routinier, "er ist jemand, dem du drei Sekunden vor Schluss den Ball zuspielen kannst und dir keine Gedanken machen musst, dass das schief geht."

Der Gewinn des EHF-Cups wäre ganz nach dem Geschmack Lindbergs. Er ist der einzige Klubtitel, der ihm noch fehlt. Mit dem HSV Handball gewann er einst Meisterschaft und Pokal. 2013 gelang mit den Hanseaten der Gewinn der Champions League. Im September 2016 folgte mit den Füchsen der Triumph bei der Klub-WM. "Es läuft ganz gut für mich", sagt Lindberg.

Das war zu Beginn seiner Zeit in Berlin freilich nicht immer so. Nach der Insolvenz des HSV wechselte der Nationalspieler (229 Länderspiele für Dänemark/620 Tore) im Januar 2016 zu den Füchsen. Im Gepäck der Ruf, einer der weltbesten Rechtsaußen und Siebenmeterschützen zu sein. Aber Lindberg musste erst einmal Bindung zur Mannschaft aufnehmen, wenngleich das als Außenspieler leichter fällt, als auf anderen Positionen, "weil man ja überall die gleiche Rolle hat" (Lindberg). Hinzu kamen mehrere Verletzungen. "Jetzt bin ich in Berlin richtig angekommen", sagt der Familienvater, der mit Ehefrau Jeanette und Sohn Aron August in der Freizeit gern auch mal im Schlosspark Pankow spazieren geht. Mit dabei sind dann auch ein roter Plastik-Fußball und seine Dogge Noah.

In der Familie holt er sich die nötige Kraft. Die muss er sich mit seinen 35 Jahren auch ein bisschen einteilen. Auf dem Feld ist davon aber nichts zu sehen, im Gegenteil, gegen Hannover spielte Lindberg durch, auch weil Mattias Zachrisson nach Mandelentzündung noch nicht wieder fit ist. Bob Hanning lächelt: "Hans ist ein älterer Herr, er muss mehr laufen, damit er in Bewegung bleibt und nicht einrostet."

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