Immer Hertha

Kinofilm über Salomon Kalou: Viel mehr als Fußball

Der Hertha-Kicker widerspricht dem Klischee vom gierigen Profi. Nun kommt ein Film über ihn in die Kinos.

Salomon Kalou

Salomon Kalou

Foto: joerg Krauthoefer

Er hat in seinem Leben schon viele Rollen gespielt. Als Jugendlicher gab Salomon Kalou das kickende Supertalent, entdeckt in einem kleinen Dorf in der Elfenbeinküste und auf dem Sprung nach Europa, um dort die große Fußballwelt zu erobern. Für die Fortsetzung wechselte der Ivorer aus dem Independent-Milieu (Feyenoord Rotterdam) in eine Hochglanz-Produktion (FC Chelsea), reüssierte als kongenialer Sidekick seines Landsmanns Didier Drogba und gewann eine Trophäe nach der nächsten. Nur zwei Episoden einer großen Erfolgsstory, die an ein modernes Märchen made in Hollywood erinnert. Von ganz unten nach ganz oben – Stoff, aus dem die Träume sind. Dachte sich auch eine Filmcrew aus Frankreich.

Und so kommt es, dass Kalou, inzwischen 31 und im dritten Jahr Angreifer von Hertha BSC, dieser Tage nicht nur auf dem Rasen, sondern auch auf der Leinwand auftaucht. Am Mittwoch war er Stargast beim medialen Kick-off des Fußballfilmfestivals "11mm", das vom 30. März bis 3. April im Babylon-Kino in Mitte stattfindet. Dieses Jahr mit im Programm: die Deutschlandpremiere von "L`Eléphant chéri" (Der geliebte Elefant), einem bemerkenswerten Film über Kalous Leben.

Salomon Kalou - "Hertha hat das Zeug zum Topklub"

Nun mögen sich eingefleischten Cineasten bei der heiklen F-Kombination (Fußballer und Film) reflexartig die Nackenhaare aufstellen. Sicher nicht ganz zu Unrecht, schließlich blieben sportliche Stargäste häufig im Kampfschauspielmodus stecken. Erinnert sei an Paul Breitner im Deutsch-Western "Potato Fritz" oder Berti Vogts' Gastauftritt im Tatort. Paradesatz: "Gib dem Kaninchen eine Möhre extra, es hat uns das Leben gerettet." Puh.

L`Eléphant chéri – der Titel leitet sich vom Spitznamen des ivorischen Nationalteams ab – kommt ohne schauspielerische Offenbarungseide aus. Bei dem 50-Minüter handelt es sich um eine Dokumentation, die Kalous Wirken jenseits des Flutlichts einfängt. Wer ein aufgeblasenes Pseudo-Epos über Tore, Titel und Triumphe erwartet, wird bitter enttäuscht, stattdessen zeigt der Film einen demütigen Profi mit Herz, Heimatverbundenheit und großem sozialen Engagement. Es gehe nicht um ihn und schon gar nicht um Selbstbeweihräucherung hatte der Hauptdarsteller vorab klargestellt. "Das Ziel", sagt Kalou, "ist zu zeigen, dass Fußball nicht das ganze Leben ist." Eine Erkenntnis, die in einer Welt zwischen Königsklassen-Glamour, absurd anmutenden Transfersummen und protzigen Autos (zu) oft auf der Strecke bleibt.

Salomon Kalou bekennt sich zu Hertha

Nicht so bei Kalou, der sich längst auch als Entwicklungshelfer begreift. Statt selbstgefällig über den Jahrmarkt der Eitelkeiten zu flanieren, beweist der Neu-Berliner, dass eine Stiftung mehr sein kann als ein lukratives Steuersparmodell. Viel mehr. Mit seiner "Kalou Fondation" hat er seit 2009 den Bau von sieben Dialysezentren in seiner Heimat ermöglicht und etliche Sportangebote für Waisenkinder ins Leben gerufen. Selbst die Initiative ergreifen, statt auf den Staat zu warten, Dinge anpacken und etwas ändern, darum geht es Kalou. Seine Wurzeln hat der Angreifer nie vergessen – auch das zeigt L`Eléphant chéri.

Im "11mm"-Kontext befindet sich der Film damit in guter Gesellschaft. Bereits im 14. Jahr präsentieren die Festival-Macher Werke, die sich oft der gesellschaftlichen und kulturellen Dimension des Sports widmen. Die Themen sind dabei breit gefächert, von Fan-Initiativen gegen Homophobie, dem leidenschaftlichen Überlebenskampf abgewirtschafteter Klubs bis hin zu Würdigung von, nun ja, etwas anderen Profis.

Afrika-Cup-Aus für Herthas Kalou

Solchen wie Kalou oder Freund Drogba, der seine Popularität mutig nutzte, um die verfeindeten Volksgruppen in seinem Heimatland zu einen. Es sind anrührende Geschichten jenseits aller Ergebnisse und Tabellen, solche, die den Glauben daran stärken, dass sich der Fußball nicht auf ein Boom-Segment der Unterhaltungsindustrie reduzieren lässt. Aus meiner Sicht kann Berlin doppelt stolz sein. Auf ein besonderes Filmfestival, und darauf, einen besonderen Profi wie Herthas Salomon Kalou zu haben.

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