Auswärtssieg

Hertha nach 2:0 gegen Darmstadt der Europa League ganz nah

Das Team von Trainer Dardai feierte durch das verdiente 2:0 bei Absteiger Darmstadt 98 den ersten Auswärtserfolg seit 161 Tagen.

Darmstadts Patrick Banggaard (l.) im Zweikampf mit Herthas Jordan Torunarigha

Darmstadts Patrick Banggaard (l.) im Zweikampf mit Herthas Jordan Torunarigha

Foto: Alexander Scheuber / Bongarts/Getty Images

Der Mann des Tages kam in die Katakomben und umarmte den Mann vor ihm: "Bruder, gut dass du da bist." Jordan Torunarigha sorgte mit seinem Tor zum 2:0 für den wichtigen Auswärtssieg von Hertha BSC beim SV Darmstadt. Und herzte seinen älteren Bruder Junior Torunarigha, der als Profi bei Fortuna Sittard in den Niederlanden spielt. "Ich habe erst mal nach draußen geschaut, ob ich im Abseits stand", sprudelte es aus Torunarigha heraus. Nein, ein ganz reguläres Tor. Dazu ein Sieg, mit dem die Berliner ihre schwarze Auswärtsserie von neun Niederlagen in Folge beendeten.

Hertha kletterte damit auf Platz fünf, hat alle Karten in der Hand, um zu Hause gegen Leverkusen die direkte Qualifikation für die Europa League perfekt zu machen. "Jetzt wollen wir nach Europa", sagte Niklas Stark, der mit einem bandagierten rechten Fuß Richtung Kabine gehumpelt war.

Bei der Aufstellung hatte sich Trainer Pal Dardai kurzfristig für Stark entschieden. Nach vier Wochen Verletzungspause und nur zwei Trainingseinheiten gab jener jedoch einen sicheren Abwehrchef. "Ich bin eigentlich eher der vorsichtige Typ bei Verletzungen", sagte Stark, "aber wenn es um Europa geht, muss man mal was riskieren."

Vor allem die erfahrenen Spieler taten, was Manager Michael Preetz von ihnen unter der Woche gefordert hatte: vorangehen. So trug Vladimir Darida einen energischen Angriff über die rechte Seite vor und flankte in die Mitte. Dort setzte sich Salomon Kalou gegen beide Darmstädter Innenverteidiger durch und köpfte den Ball aus sieben Metern ein, 1:0, der siebte Saisontreffer des Torjägers (14.).

Das hatte sich Trainer Dardai seit Monaten gewünscht – endlich einmal auswärts in Führung zu gehen. Und im Fahrtwind der etablierten Profis zeigten sich auch die Jungen. Torunarigha gewann nicht nur in der Innenverteidigung so gut wie jedes Kopfballduell. Nach einem Freistoß von Marvin Plattenhardt schüttelte er Gegenspieler Felix Platte ab und köpfte aus fünf Metern ein, 2:0 (28.). Entfesselt feierte Herthas Shootingstar der vergangenen Wochen sein Erfolgserlebnis vor der Kurve mit den mitgereisten 2200 Fans aus Berlin. "Ich möchte mich bei Marvin (Plattenhardt) für die Superflanke bedanken", sagte Torunarigha, "es war ein unbeschreibliches Gefühl, als der Schiedsrichter auf Tor erkannt hat."

In der ersten Hälfte dominierten die Gäste. Darmstadt, das bereits als Absteiger feststand, kam nur zu einer Chance. Patrick Banggaard köpfte aus sieben Metern haarscharf neben das Berliner Tor (21.).

Nach der Pause war es dahin mit der Hertha-Dominanz. Hamit Altintop, Darmstadts Bester, trieb seine Kollegen an, das enthusiastische Publikum in Darmstadt zog mit. Nun zeichnete sich Hertha-Torwart Rune Jarstein mit einer Doppelparade aus gegen Jan Rosenthal und Marcel Heller (61.). Danach brachten beide Trainer ihren Joker: Torsten Frings wechselte Lokalheld Dominik Stroh-Engel ein, doch der Stürmer bekam gegen Herthas Innenverteidigung keinen Stich. Mehr bewegte der Neue bei Hertha: Mitchell Weiser. Der Offensivspieler brachte die Gastgeber mit seinen Dribblings zur Verzweiflung und holte, da Darmstadt ihn nur mit Fouls zu stoppen vermochte, allein zehn Freistöße heraus.

Dass die Gäste nun leichtfertig mit diversen Chancen umgingen, Schwamm drüber. Am Ende erhielt Florian Baak (18) acht Minuten Einsatzzeit. Und in der Nachspielzeit durfte sich Arne Maier (18) über sein Bundesliga-Debüt freuen.

Sonderlob für Stark, der trotz Verletzung spielt

Pal Dardai freute sich über die Achtziger-Jahre-Atmosphäre vor 17.400 Zuschauern am Böllenfalltor. "Kompliment an die Fans hier, das war ein Fußballfest." Da der DFB den "Lilien" strenge Auflagen auferlegt hat, ist es fraglich, ob Darmstadt wegen seines veralteten Stadions für die kommende Saison eine Zweitliga-Lizenz erhält.

Der Hertha-Trainer bedankte sich bei Innenverteidiger Stark: "Niklas hat seine Gesundheit aufs Spiel gesetzt, ich bin froh, dass wir gewonnen haben." Die Angelegenheit mit neun Auswärtsniederlagen nahm Dardai mit Selbstironie. "Das ist ein persönlicher Rekord, den ich wahrscheinlich für immer halten werde. Wer wird jemals wieder so oft auswärts verlieren?"

Wichtiger war, dass Hertha im Saisonfinale gegen Leverkusen das Ticket zum Europacup lösen kann: "Wir haben jetzt noch ein sehr wichtiges letztes Spiel. Da werden wir alle Reserven zusammenkratzen." Die in Darmstadt gesperrten Innenverteidiger Sebastian Langkamp und John Brooks stehen dann wieder zur Verfügung.

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