Confed-Cup-Nominierung

Löw macht Herthas Marvin Plattenhardt zum Nationalspieler

Herthas Linksverteidiger ist einer von sechs Neulingen im DFB-Team. Der 25-Jährige hat aussichtsreichere Chancen als andere Newcomer.

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Marvin Plattenhardt wurde kalt erwischt unter der warmen Dusche. Nach Herthas Vormittagseinheit am Mittwoch habe plötzlich der Pressesprecher seinen Kopf in den Kabinendampf gesteckt, erzählte der Linksverteidiger, "ich sollte mal rüberkommen zum Manager und zum Trainer". Ein Ruf, der irritierte. Hätte ja schließlich auch Ärger bedeuten können, doch das Gegenteil war der Fall.

Plattenhardt wurde am Mittwoch überraschend von Bundestrainer Joachim Löw zum Confederations Cup (17. Juni bis 2. Juli) eingeladen. Damit wird er Herthas erster deutscher A-Nationalspieler seit sieben Jahren. Als bislang letzter Berliner hatte 2010 Arne Friedrich den DFB-Adler getragen.

"Ich freue mich riesig", sagte Plattenhardt auf einer kurzfristig arrangierten Pressekonferenz, die eigentlich für Niklas Stark und Mitchell Weiser vorgesehen war. Beide wurden für die U21-Europameisterschaft in Polen (16. bis 30. Juni) nominiert – davon waren sie bei Hertha schon vorab informiert.

Die Etablierten dürfen sich schonen

Plattenhardts Berufung ahnte indes niemand. Weiser beglückwünschte seinen Kollegen mit ungläubigem Strahlen, und als Plattenhardt den Medienraum wieder verließ, empfingen ihn Alexander Esswein und Valentin Stocker mit großem Gejohle. Die Neuigkeit hatte inzwischen die Runde gemacht.

"Marvin hat sich bei uns super entwickelt", sagte Trainer Pal Dardai, "er zeigt seit zwei Jahren konstant seine Qualität. Sein linker Fuß ist eine Waffe." Natürlich sind sie in Westend stolz auf ihren Standard-Experten und Neu-Nationalspieler – allen voran der Trainer, der Plattenhardt bei Amtsantritt 2015 vom Reservisten zum Stammspieler befördert hatte.

"Marvin Plattenhardt ist 25 Jahre alt und hat eine Perspektive", sagte Löw derweil in Frankfurt. Während der Kaderpräsentation hatte sich der Weltmeistercoach tief in einen Sessel sinken lassen, genüsslich Espresso geschlürft und die überraschten Gesichter genossen. Diego Demme (25, RB Leipzig) statt Toni Kroos, Amin Younes (23, Ajax Amsterdam) statt Marco Reus, oder eben: Marvin Plattenhardt statt Mats Hummels. Ein Experimentier-Kader für das "Perspektivturnier" Confed Cup.

Irritation um Deutsch-Türken Demirbay

Stammkräfte werden geschont, aus dem Weltmeisterteam sind lediglich Julian Draxler, Matthias Ginter und Shkodran Mustafi dabei. "Über allem steht die WM und der Weg nach Moskau", stellte Löw klar – und schob eine der Zielvorgaben hinterher. "Wenn wir nur zwei, drei Spieler auf ein neues Niveau heben, bin ich überglücklich", sagte er. Das dürfte besonders für Plattenhardt gelten, gute Linksverteidiger sind schließlich selten. Der Berliner wird sich am Kölner Jonas Hector messen lassen müssen.

Ob er sich in den Gruppenspielen gegen Australien (19. Juni), Chile (22.) und Kamerun (25.) tatsächlich beweisen darf? Zukunftsmusik. Vorerst herrscht pure Freude, bei Hertha und natürlich bei Plattenhardt. Nach dem Anruf bei seinem Vater habe er "erstmal den Kreta-Urlaub gecancelt", sagte er grinsend, "aber das mach' ich natürlich gern."

Mit Stürmer Sandro Wagner (29) schaffte übrigens auch ein Ex-Herthaner den Sprung zu Löw. Er ist einer von vier Hoffenheimern im Aufgebot. Die Nominierung von Kerem Demirbay kam dabei besonders überraschend. Der türkische Verband TFF veröffentlichte ein erst am Montag verfasstes Schriftstück, in dem der Deutsch-Türke zusagt, künftig für die Türkei zu spielen. Nun hat er sich auf den letzten Drücker anders entschieden.

Der gesamte DFB-Kader für den Confederations Cup:

Tor: Bernd Leno (Bayer Leverkusen), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona), Kevin Trapp (Paris St. Germain)

Abwehr: Matthias Ginter (Borussia Dortmund), Jonas Hector (1. FC Köln), Benjamin Henrichs (Bayer Leverkusen), Joshua Kimmich (Bayern München), Shkodran Mustafi (FC Arsenal), Marvin Plattenhardt (Hertha BSC), Antonio Rüdiger (AS Rom), Niklas Süle (1899 Hoffenheim)

Mittelfeld/Angriff: Julian Brandt (Bayer Leverkusen), Emre Can (FC Liverpool), Kerem Demirbay (1899 Hoffenheim), Diego Demme (RB Leipzig), Julian Draxler (Paris St. Germain), Leon Goretzka (Schalke 04), Sebastian Rudy (1899 Hoffenheim), Leroy Sané (Manchester City), Lars Stindl (Borussia Mönchengladbach), Sandro Wagner (1899 Hoffenheim), Timo Werner (RB Leipzig), Amin Younes (Ajax Amsterdam)

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