Zweite Liga

"Union ist bereit für die Bundesliga"

Braunschweigs Sportdirektor Marc Arnold über das Spitzenspiel am Montag und was ein Aufstieg der Köpenicker für Berlin bedeuten würde.

Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht mit Manager Marc Arnold

Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht mit Manager Marc Arnold

Foto: firo Sportphoto/ Fabian Simons / picture alliance / augenklick/fi

Berlin.  Es ist das Endspiel um Platz drei in der Zweiten Liga. Wenn der 1. FC Union bei Eintracht Braunschweig zum letzten Montagsspiel der Saison antritt (20.15 Uhr, Sport1 und Sky) kann eine Vorentscheidung im Aufstiegsrennen fallen. Auch Marc Arnold (46) fiebert dem Duell entgegen. Die Morgenpost sprach mit dem ehemaligen Hertha-Profi und jetzigem Sportlichen Leiter der Eintracht.

Eintracht Braunschweig oder der 1. FC Union – wer steigt in die Bundesliga auf, Herr Arnold?

Marc Arnold: Das kann ich Ihnen am 21. Mai gegen 17.20 Uhr beantworten.

Diese Antwort ist zu einfach…

(lacht) Das kann ich aber in der Tat nicht sagen, auch nicht am Montagabend nach dem Abpfiff. Das wird ein Superspiel gegen Union, auch die Partie von Stuttgart nächste Woche in Hannover. Ich finde es gut, dass jetzt zum Ende der Saison der Spielplan diese direkten Duelle mit sich bringt.

Haben Sie so ein verrücktes Aufstiegsrennen schon mal erlebt?

Nein. Wir hatten ja schon das Glück zweier Aufstiege (2011 in die Zweite Liga, 2013 in die Bundesliga, d. Red.), aber die Entscheidungen waren immer schon früher gefallen. Es ist eine außergewöhnliche Situation, dass vier Mannschaften auch über einen so langen Zeitraum in so einer engen Konstellation unterwegs sind.

Weil Union die beste Zweitliga-Saison seiner Historie spielt. Was überrascht Sie mehr: Dass die Aufstiegschance erst jetzt zum Greifen nah ist oder dass Union so lange gebraucht hat, um ganz vorn dabei zu sein?

Beide Vereine haben ja eine gemeinsame Vergangenheit, was die Regionalliga und auch die Qualifikation in die Dritte Liga betrifft, dann hat Union die Dritte Liga zwei Jahre früher verlassen als wir, zwischenzeitlich hatten wir Union mit dem Bundesliga-Jahr kurz überholt, sportlich ist man jetzt auf Augenhöhe – aber als Hauptstadtklub bietet sich Union natürlich ein ganz anderes wirtschaftliches Umfeld, als wir es in Braunschweig haben. Und Union hat in den vergangenen Jahren ja immer wieder öffentlich kommuniziert, aufsteigen zu wollen. Dieses Jahr sind sie bis zum Ende dabei. Das ist ein Stück weit auch eine neue Situation für Union, das hat man gesehen, nachdem sie die Tabellenführung erobert hatten und anschließend die Punkteausbeute nicht mehr halten konnten. Um solch eine Saison zu spielen, muss natürlich auch viel zusammen kommen. Das ist bei Union ebenso wie bei uns passiert.

Ist es ein Vorteil für die Eintracht, dass man diese Situation bereits kennt?

Ich hoffe doch, dass es sich so bewahrheiten wird. Und die vergangen zwölf Spiele mit nur einer Niederlage zeigen, wie stabil die Mannschaft ist.

Bei Union hat Trainer Jens Keller für Stabilität gesorgt. Wie groß ist sein Stellenwert am Union-Aufschwung?

Jens Keller hat einen ganz gehörigen Anteil daran. Bei Union hat man in den vergangenen Jahren einige Trainerwechsel gehabt und es sieht so aus, als hätte man jetzt den richtigen gefunden. Er bringt ein gewisses Maß an Erfahrung mit, wenn es um Aufstiege geht, wenn auch mehr als Spieler denn als Trainer. Nichtsdestotrotz hat er aber auch bei großen Traditionsvereinen gearbeitet und weiß, mit solchen Drucksituationen umzugehen, auch mit der Euphorie, die sich jetzt bei Union entwickelt hat.

Keller ist erst seit dieser Saison bei Union, Torsten Lieberknecht hingegen schon seit knapp zehn Jahren bei der Eintracht, auch Sie sind als Sportlicher Leiter schon seit 2008 dabei. Wie konnte das passieren?

Das ist die Entwicklung aus der gemeinsamen Arbeit und den gemeinsamen Erfolgen. Dazu gehören auch unser Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt und unser Präsident Sebastian Ebel mit dem Aufsichtsrat. Die handelnden Personen sind seit acht, neun Jahren dabei. Das ist ein großer Bestandteil unseres Erfolges.

Gab es in all den Jahren einen Punkt, wo Sie dachten: Das war es, ich muss mich nach etwas Neuem umsehen, oder die Eintracht braucht einen neuen Trainer?

Nicht wirklich. Natürlich machen wir uns Gedanken um unsere persönliche Situation, da hat man vielleicht mal Überlegungen gehegt. Aber sowohl der Trainer als auch ich selbst haben unsere Verträge im Herbst langfristig verlängert (Lieberknecht bis 2020, Arnold bis 2019, d.Red.).

Die Ruhe bei der Eintracht hat sich in jedem Fall ausgezahlt, nicht nur beim Bundesliga-Aufstieg 2013, sondern vor allem beim Abstieg ein Jahr später. Die Eintracht wirkte danach noch gefestigter, anders als bei zahlreichen anderen Klubs, die mit Trainerentlassungen und Panikkäufen auf dem Spielermarkt um sich werfen…

Sicherlich war die Rückkehr in die Bundesliga nach 28 Jahren für einen Traditionsverein, wie wir es sind, etwas Außergewöhnliches. Und wir haben in der Bundesliga auch eine ganz ordentliche Rolle gespielt mit der Chance, die Klasse zu halten. Wir haben aber früh erkannt, dass unser Weg der richtige ist und haben in einer schwierigen Phase mit dem Trainer verlängert. Dann kam aber die große Herausforderung: Wie gehst du mit einem Abstieg um? Das kannten wir nicht. Also haben wir die Mannschaft im ersten Jahr zunächst stabilisiert. Und jetzt zeigt sich, dass die Veränderungen, die wir für die aktuelle Saison vorgenommen haben, ganz gut aufgegangen sind.

Eintracht Braunschweig ein Vorbild für Union oder gar für die Liga?

Das ist mir dann doch ein bisschen zu viel. Jeder Standort hat seinen eigenen Charakter. Union hat zum Beispiel in der Hauptstadt ein ganz anderes Medienumfeld. Wenngleich wir doch von einigen Kollegen hören, dass man unserem Weg schon nacheifert. Das ist ein Lob, das wir natürlich gern annehmen.

Nach dem Zweitliga-Aufstieg der Eintracht 2011 sagten Sie noch, Union sei zwei, drei Schritte voraus. Hat Braunschweig den Abstand inzwischen aufgeholt oder Union sogar überholt?

Was die sportliche Entwicklung betrifft, haben wir schon richtig Fahrt aufgenommen. Das Jahr in der Bundesliga hat uns sehr weit vorangebracht, auch was die Infrastruktur angeht. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind natürlich in einer Stadt wie Braunschweig mit 250.000 Einwohnern ganz anders als für Union in der Hauptstadt. In diesem Punkt bezweifle ich, dass wir Union einholen werden.

Aus Ihrer Fernsicht betrachtet: Ist Union bereit für die Bundesliga?

Ja, absolut. Auch durch das Stadion und die Atmosphäre dort. Und wenn man sieht, dass wir oder Fürth oben waren, oder jetzt Ingolstadt und Darmstadt, dann sehe ich Union in jedem Fall so vorbereitet, dass sie auch eine gute Rolle spielen könnten.

Dass Berlin einen zweiten Erstligisten vertragen kann, steht aber wohl außer Frage, oder?

Natürlich, allein schon durch die Größe der Stadt, aber auch durch die Entfernung der unterschiedlichen Standorte voneinander.

Als ehemaliger Hertha-Profi (1996-99) haben Sie ja Berlin ein wenig kennengelernt. Was würde ein Bundesliga-Derby für Berlin bedeuten, wie würde die Stadt von einem Union-Aufstieg profitieren?

Das würde den Fußball in Berlin insgesamt aufwerten. Es ist schade, dass rund um Hertha die Euphorie ein wenig abgeebbt ist, trotz der tollen Saison. Das ist zumindest mein Eindruck aus der Ferne. Die Zuschauerzahlen entsprechen nicht der sportlichen Leistung der Mannschaft. Durch einen Aufstieg von Union könnte das Interesse an Bundesliga-Fußball in Berlin noch einmal gestärkt werden. Gerade die Region rund um Köpenick würde vielleicht noch mehr Feuer fangen.

Glauben Sie, dass Union Hertha sogar irgendwann einmal den Rang abläuft?

Das ist schwer vorstellbar, um ehrlich zu sein. Dafür ist Hertha einfach deutlich länger und tiefer in der Bundesliga verwurzelt. Diesen über all die Jahre aufgebauten Vorsprung aufzuholen, ist doch ein sehr weiter Weg.

Zumindest in Sachen eigenes Stadion hat Union die Nase vorn, während Hertha einen Standort für ein neues, eigenes Stadion sucht.

Die Unterstützung durch die Zuschauer in einem kleineren, dann immer ausverkauften Stadion ist schon noch mal eine andere als im großen Olympiastadion, das mit 40.000 Zuschauern nur halbvoll ist. Woanders wären so viele Zuschauer eine Sensation. Auf der anderen Seite ist ein volles Olympiastadion natürlich ein absolutes Brett. Ich habe das große Glück gehabt, einige Male vor dieser Kulisse spielen zu dürfen, das ist etwas Außergewöhnliches!

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